Dienstag, 25. Oktober 2011

Beyond Fashion Summit- Vorträge

Esmod Berlin, morgens. Der Saal füllt sich. Einleitung von Frans Prins und Federicke Winkler, den OrganisatorInnen, und dann geht es los. 

Tamsin Lejeune stellt ETHICAL FASHION FORUM vor
---Tamsin Lejeune stellt ihre Sourcing Plattform Ethical Fashion Forum vor.
Dort werden DesignerInnen und Interessierte, die nach umweltfreundlichen und sozial fairen Produkten suchen, fündig. Stoffe, Firmen, pflanzlich hergestellte Farben.
Informationen über den Markt, Firmenporträts und mehr.

Vorgehensweise: Man wird Mitglied, zahlt monatlich eine Gebühr und erhält Zugang zu allen Bereichen dieser großen Plattform. Andere Plattformen, die die Rednerin kurz vorstellte, 


---Die christliche Initiative Romero stellt sich kurz vor, die Aktionen gegen große unethische Firmen führt und sich der Bewußtseinsbildung der Bevölkerung verschrieben hat. Und die in Deutschland  Clean Clothes  mitbegründet hat.

---Danach folgt ein langes Referat von Melanie Kuntnawitz,  die ihre Firma Jack Wolfskin auf dem Weg zu mehr ethischem Handeln portätiert.
Die Outdoormarke ist bei der Fair Wear Foundation Mitglied. In ihrem Vortrag versucht die Rednerin dem Publikum all die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die ihre Firma auf diesem Weg hat.

---CSR  und die Macht der KonsumentInnen
Mark Starmanns bei seinem großartigen Vortrag
Mark Starmanns bietet einen der besten Vorträge ( hier der Link zu seinem Blog, wo auch der Vortrag zu finden ist) des Summit: Seine 10 Punkte zu mehr Corporate Social Responsibility sowie seine Ausführungen unterstreichen, daß es sehr wohl möglich ist positive Verbesserungen auch bei großen Firmen durchführen zu können, ohne daß diese nach einigen Jahren ethischerem Handeln am Hungertuch nagen muß. Zum Beispiel: wenn sie ihren Näherinnen 2% statt der üblichen 1% am Verkaufspreis an einem Kleidungsstück bezahlen. Durch geringfügige Verschiebungen innerhalb der Preisgestaltung ist die Erhöhung des Lohnes am Verkaufspreis nicht spürbar.

Starmanns präsentiert Beispiele, wie einfach es heute als  KonsumentIn ist sich mit Aktionen, Protesten, Massenmails und etwas Engagement große Firmen in die Knie zu zwingen und sie zu mehr Ethik zu führen. Zigtausende Menschen, die Firmen mit mails und Artikeln, Blogposts und Twitter bombardieren- all das können Firmen nicht mehr ignorieren.

Ein Beispiel hat mir besonders gut gefallen. Er erzählt vom US-Professor Doug Miller, der mit 60 seiner StudentInnen den Versuch startete einen Sweatshop nachzuspielen. Sie nähten am Stück 7,5 Stunden. Und hatten danach 95 Shirts geschafft. In der Realität haben Näherinnen 900 in derselben Zeit zu nähen. Unvorstellbar, oder?


Weiter im Programm.
---CRADLE TO CRADLE
Der Materialwissenschaftler Erik van Buuren spricht über Cradle to Cradle und postuliert den Ansatz dieses Systems, daß man alle Bestandteile eines Produktes kennen muß. Daß nur die wirklich benötigten Stoffe enthalten sein sollen (logisch, oder?) Um es wieder zerlegen und weiter verwenden zu können.
Leider konnte ich einige Kritikpunkte am System nicht anbringen, weil der Redner nicht zum Wesen des Cradle to Cradle Stellung genommen hat. Mein Problem mit C2C ist zB der Ausspruch Michael Braungarts, dem Gesicht zu diesem System( und seinem Kollegen): Er meinte, wir können einfach alles neu erfinden. Von Reduktion, einer Schrumpfung des gesamtem Produktionssystems ist nie die Rede bei ihm. (guter Artikel über ihn in GEO)


---Juristisch betrachtet
Ehrlich sein! Diese Botschaft vom Juristen Alexander Bretz übermittle ich gerne. Sieh zu, daß alles in Ordnung ist bei Deinen Aktivitäten. Und wenn man sich bei den Suppliern nicht sicher ist, stelle sie ins Rampenlicht.


---FASHION MEDIA
Laura Santamaria über SUBLIME
 Am Samstag stellt Laura Santamaria ihr Magazin SUBLIME vor. Sie gründete es 2006, gerade zum Beginn der eco fashion-Bwegung. Das Erscheinungsbild des Magazins unterscheidet sich nicht von anderen Modemagazinen, dieser "glossy look" ist für Santamaria wichtig. Nur die Themenwahl ist anders. Menschen stehen im Mittelpunkt, die Themenvielfalt bietet Mode, Lebensstil, Architektur, Energie, etc. Nachhaltiger aber nicht 100% ecofair. Sie prägt einen wichtigen Begriff für mich: Sie bezeichnet uns alle als "transition generation", die meint:"WE HAVE TO GO IN THE RIGHT DIRECTION. "

Was mich, wenn sie als erste Rednerin überhaupt diesen Spruch geprägt hätte, sehr enttäuscht hätte. Nur in die richtige Richtung gehen, sollten wir nicht schon weiter sein? Schon am Ziel? Bei öko und fair, bei ethischer Mode, ethischem Handeln? Ich habe nach diesen beiden Tagen intensiver Beschäftigung erkannt, daß unsere ganze Gesellschaft, auch der kleine Kreis der grünen Modeszene selbst erst am Weg ist. Manche machen sich erst auf, manche sind schon weiter. 

Das lässt sich auch leicht am persönlichen Konsum von uns allen ablesen, selbst wenn wir in der grünen Modeszene daheim sind. Eine Reaktion einer Teilnehmerin passt hier perfekt: Ich sprach sie auf ihre hübschen Schuhe an, von welcher Firma sie seien. Sie meinte nur, daß sie das jetzt lieber nicht sagen will. Zu unethisch um es gerade hier hinauszuposaunen.

---Kuyichi versus Stiftung Warentest
Elke Gehrke, Kirste Brodde, Helga Johansdottir, Lars Wittenbrink
Vorgeschichte: Die deutsche Stiftung Warentest hat heuer im Sommer einen Denimtest durchgeführt und den Liebling der grünen Modeszene, Kuyichi aus NL, sehr schlecht bewertet. Die Wogen gingen hoch. Nun kommt es unter der Moderation von Kirsten Brodde zum Schlagabtausch zwischen der Vertreterin von der Stiftung Warentest,Elke Gehrke, Helga Johansdottir, der Vertreterin von Kuiyichi und Lars Wittenbrink, Sprecher der Händlervereinigung Korrekte Klamotten.
Nun, ich würde sagen, die Stiftung konnte kein Tor schiessen. Nicht nur, daß ihre Vertreterin mit dem Englischen, all den nötigen Fachausdrücken und der dauernden Defensivposition heillos überfordert war, so zeigten sich im Lauf der Diskussion, daß sie auch sehr wenig Ahnung von der Materie hatte. Was wiederum ein schlechtes Licht auf die Stiftung wirft. Wie sehr kann man dieser trauen, wenn die Beteiligten eine Firma wie KIK besser bewerten als eine Firma, die Biobaumwolle verwendet oder bestimmte Zertifikate trägt.


Kuyichi allerdings kam auch aus einer gewissen Defensivhaltung nicht heraus und ich stimme für ein unentschiedenes Match. So konnte sich die Vertreterin  zwar entschuldigen für die Tatsache, daß die mails und Anfragen der Stiftung an sie bzw an die Firma bezüglich Test nicht gelesen bzw nicht beantwortet wurden(?). Und somit keine Informationen von Kuyichi an die Tester geflossen sind. Pech. Wie kann so etwas passieren? Auch mir war nach ihren weiteren Aussagen nachher nicht klar, ob die Firma eigentlich als grün zu bezeichnen ist. Gut, sie verwenden Biobaumwolle, und noch? Mehr war eigentlich nicht herauszuhören. Frau Johannsdottir beklagte, daß ihre Firma zu klein sei um in bestimmte zertifizierte Produktionsfirmen hineinzukommen.

Vertrauen ist also das Gebot der Stunde. Es wäre schön wenn man Firmen vertrauen könnte, oder? Und reinen Gewissens Hosen kaufen kann, die noch dazu gut aussehen. Nur, lügt man sich da nicht selbst an?


wie habe ich mich im Vorfeld gefreut ihn auf der Bühne zu erleben!
Ihn, einen der interessantesten Persönlichkeiten auf dem Gebiet Mode/Gesellschaft/Kunst.
Und dann erfolgt ein Video eines Skypeinterviews mit ihm, das knarzte und krachte ...eine herbe Enttäuschung- mit seinem klingenden Namen zu locken und dann das zu bieten...ich flüchtete in den Nebenraum wie andere...
---Ich gebe zu, daß ich gerne mit den dort ebenfalls gemütlich plaudernden Menschen geplaudert habe. So interessant und gut manche Vorträge
Ein Teil der ÖsterreicherInnen-Bande: Andrea Reitinger, EZA/Johannes Heiml, Südwind/Stefan Hilpold, Der Standard
(nicht alle!) waren- die Vielfalt des Publikums war grandios und so hat sich für mich die Reise in jedem Fall bezahlt gemacht. Neue Kontakte und die Vertiefung schon bestehender. Wo kann man sonst Umweltökologen, Soziologinnen, Neo-Modemacherinnen, AktivistInnen und mehr treffen? Die alle  von ihren Positionen aus im großen Gebiet Ökologie/ Ethik /Mode/ Forschung arbeiten? Was könnten wir alle auf die Beine stellen?

Dazu ebenfalls ein Extra-Post. Die beiden Marken Mirsericordia und Marithe & Francois Girbaud folgen ebenfalls noch.

So, liebe LeserInnen, wie hat Euch der Summit gefallen?
Was könnt ihr noch ergänzen?

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