Marke Eigenbau- Der Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion


Marke Eigenbau- Zusammenfassung und große Buchempfehlung!
Wie versprochen schreibe ich hier eine Zusammenfassung dieses empfehlenswerten Buches von Holm Friebe und Thomas Ramge. Ich behalte mir vor, nur ein paar Aspekte anzusprechen, weil ich sonst den ganzen Tag am PC sitzen müßte- bitte selber lesen! Es ist übrigens flüssig, unterhaltsam und leicht verständlich geschrieben, beschreibt viele kleine Erfolgsgeschichten von Firmen wie Glore, likeabike, Bionade, Etsy, Dawanda, .....und viele mehr.
Es geht darin um eine grundsätzliche Änderung innerhalb unserer Welt aus KonsumentIn und ProduzentIn, der Wirtschaft und Industrie im Allgemeinen.
Was ist passiert? Im 20. Jahrhundert befriedigte die Industrie unsere durch Werbung entstandenen Gelüste. Massenproduktion war die Antwort. Nun ist es im 21. Jahrhundert so, daß wir KonsumentInnen aus den reichen Industrieländern alles haben und Massenprodukte an Wert verloren haben. Wenn Prada und Co. ebenfalls ein Massenprodukt ist und so gesehen wird- zwar immens teuer aber doch nicht exklusiv- dann zeigt es sich, daß sich die kritischeren, anspruchsvolleren KonsumentInnen neue Produkte wünschen. Exklusive, limitierte Dinge, Einzelstücke und Stücke mit Geschichte. Hier ist ein riesiger Markt entstanden und durch das Internet hat auf einmal jedeR von uns den Zugang zu Produkten aus aller Welt. Es entstehen Online-Geschäfte wie Etsy (USA) oder Dawanda(BRD) und Hokohoko, die Einzelpersonen die Plattform bieten, ihre selbstgefertigten Produkte zu verkaufen (gegen eine kleine Gebühr). JedeR erhält die Möglichkeit sich einen kleinen Webshop einzurichten und persönlich zu gestalten (der Großteil ist weiblich).
Was ist passiert? Durch das Internet rücken ProduzentInnen und KonsumentInnen ganz nahe und es entstehen persönliche Kontakte. Die Produkte erhalten so eine persönliche Geschichte und je besser die Story, desto leichter läßt sich ein Produkt verkaufen. Auch haben kleine Handwerksbetriebe und andere wieder die Chance mitzumischen, weil es ja um ihre Fähigkeiten, ihr Handwerk geht und nicht um ein unpersönliches, schleißig gemachtes Teil aus China und Co.

Ein weiteres Thema im Buch ist das Phänomen des "Prosumenten". ProsumentIn sein ist nichts anderes als ProduzenIn und KonsumentIn zu sein. Man kauft etwas und verändert es nach seinem individuellen Bedarf. Dieses so genannte "Hacken" wird manchmal auch bei bekannten Firmen öffentlich gemacht. Auf http://ikeahacker.blogspot.com/ sieht man, was sich so alles aus den diversen Ikeaprodukten noch machen läßt.
Ehemalige Techniker, die sich nicht zur Ruhe setzen sondern am Solarmobil tüfteln, Künstler, die Biogasanlagen für die 3.Welt konstruieren...die Industrie hat plötzlich Konkurrenz bekommen, von fähigen Personen, kleinen Davids, die erfolgreich werden.

Das Buch zeichnet den Wandel von unmündigen KonsumentInnen zu selbst besser produzierenden oder kritischen, zu mündigen KonsumentInnen. Und es regt an! JedeR, der etwas produzieren kann, hat die Chance, seine Produkte ins Internet zu stellen...mit viel geringeren Komissionsgebühren und mit der Möglichkeit auch kleine Stückzahlen zu verkaufen. Das weiß jedeR DesignerIn mit geringem finanziellen und zeitlichen Budget besonders zu schätzen, denn wer von den DesignerInnen, die noch nicht "so groß" sind, kann schon selbst große Stückzahlen herstellen bzw herstellen lassen? Wenn man da nicht den familiären Background mit eigener Produktion in Bulgarien wie zum Beispiel Petar Petrov hat, dann ist es ein bisserl schwer von schönen österreichischen Geschäften eingekauft zu werden.

In diesem Buch wird gezeigt, daß der Massengeschmack der Geschichte angehört. Das Phänomen des "long tail", beschrieben von Chris Anderson (jetzt meine Bettlektüre), bedeutet nichts anderes, als daß die kleine Anzahl der "Bestseller-Produkte" in Summe schon weniger Profit bringt als die riesige Anzahl an bisherigen "Ladenhütern", die es deswegen nie in den regulären Handel geschafft hat. Ob Serien aus den 70ern, Musik aus den 30ern, und vieles mehr- im Internet ist es auf einmal ganz leicht, sie zu bekommen und zu verkaufen. Irgendwo auf der Welt interessieren sich vielleicht ein paar Leute genau dafür. So ist Amazon entstanden....(aber das Buch "The Long Tail" kommt erst später dran..)

Zur Marke Eigenbau: Ich fühle mich jetzt so motiviert zu produzieren, was mir die spärliche Zeit einer DesignHausfrauMama übrig lässt, daß ich nur durch mein natürliches Schlafbedürfnis gezwungen werde es langsamer anzugehen. Allen anderen empfehle ich, selbst zu überlegen einE EntrepreneurIn( das Zauberwort derzeit) zu werden oder zuerst doch noch "Marke Eigenbau" zu lesen.
Die interessante Webseite ist übrigens auch Forum für die DIY( do it yourself)- TüftlerInnen, die EigenbauerInnen, die ihre teils kuriosen Produkte dort präsentieren.

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