Interview mit Kirsten Brodde

Vor einiger Zeit habe ich das Buch "Grüne Mode" von Kirsten Brodde vorgestellt.
Da es bald veröffentlicht wird, hier ein Interview, das ich mit ihr geführt habe.
Woher kommst du?
Ich lebe und arbeite in Hamburg und bin ein echtes Nordlicht. Von 2000 bis 2008 war ich Redakteurin des Greenpeace Magazins und habe viel über Themen des grünen Alltags geschrieben.
Warum hast Du das Buch "Grüne Mode" geschrieben?
Es gab einfach immer mehr Menschen, die sagten: Klar, du bist die Meisterin der Tragödie und erzählst immer, was alles schlecht ist. Aber was ist die Alternative? Erzähl mehr darüber! Und als ich erkannt habe, dass es jetzt endlich eine kritische Masse an nützlichen Informationen gibt, habe ich mich entschlossen, dass in Form eines Sachbuches aufzuschreiben.
Du schreibst ja auch einen Blog, "grüne Mode". Was ist der Anlass ?
Als ich mich entschlossen habe, das Buch zu schreiben, fürchtete ich, unendlich einsam in meiner Schreibklause zu sein. Also entschied ich, mit dem Bloggen anzufangen, um mich als Expertin zum Thema sichtbar zu machen und in Kontakt zu kommen mit Gleichgesinnten. Dieses Herstellen von sozialen Netzen ist wahrscheinlich die wichtigste Funktion des Bloggens.
Wie ziehst Du Dich an? Stil?
Mein Dresscode beim Weltretten waren immer Jeans und T-Shirt. Dem Thema Mode habe ich mich nur langsam genähert. Heute bin ich von Kopf bis Fuß auf Öko eingestellt und liebe gut kombinierbare Basics. Mit Accessoires und viel Gedöns habe ich es nicht so.
Findest du Kleidung in Green Fashion - Qualität?
Ich bin inzwischen sogar ein begehrter Einkaufsscout für Freundinnen, weil ich durch Streifzüge durch Kataloge, Internet und Läden ziemlich gut weiß, wo was zu bekommen ist. Ich hadere inzwischen damit, dass es zuviel Streetwear gibt - also Jeans und Shirts - und zu wenig. Ich schwöre: Dieses Jahr suche ich Kleider, Röcke und etwas anderes als Turnschuhe!
Was ist dir wichtig im Leben?
Authentisch zu sein und auch das zu leben, was ich predige (Do what you preach). Ich glaube nicht, dass anders Einkaufen die Welt umkrempeln kann, wohl aber eine Art von Stimmabgabe darstellt und zwar jeden Tag. Neben dem Konsum finde ich es auch wichtig, sich politisch zu engagieren und eben auch selbst für seine Überzeugungen auf der Straße zu stehen.
Was außer Mode beschäftigt dich noch?
Eigentlich beschäftigt mich Mode recht wenig, Kleidung schon mehr und vor allem die knochenharten Bedingungen, unter denen andere arbeiten müssen, damit wir schick sind. Daneben liebe ich es, durch den Wald zu laufen und werde im Sommer beim Triathlon auch wieder durch die Alster schwimmen. Lebensphilosophisch gibt es viele Dinge, die ich ganz verweigere und andere, in denen ich leidenschaftlich und maßlos bin.
Wie siehst Du die Zukunft unserer Gesellschaft?
Finanzkrise, weltweite Nahrungskrise, Klimakrise - ich denke, wir lernen gerade rapide daraus. Ich spüre deutlich ein Bedürfnis nach Veränderung bei den Leuten und auch eine gewisse Wut auf die bestehenden Verhältnisse - das ist gut.
Was hältst Du von den LOHAS?
Bloß keinen Keil treiben lassen zwischen alte und neue Ökos. Das spaltet nur die Kräfte. Klar, man sieht die Konsumkrieger mit einem lachenden und weinenden Auge - aber wer sich erstmals traut, viel fragt und anders einkauft, traut sich vielleicht auch demnächst aktives politisches Engagement.
Deine Botschaft an die LeserInnen von Fr. Jona&son?
Bleibt anständig angezogen.
Ein Danke an Kirsten, die so nett war, mir zu antworten. Ihr Buch "Grüne Mode" ist zum Beispiel hier erhältlich.
Zur Person:
Dr. Kirsten Brodde, 44, lebt in Hamburg. Von 2000 bis 2008 arbeitete sie als Redakteurin des Greenpeace Magazins mit Schwerpunkt Umwelt- und Verbraucherthemen. Seit Kurzem steht sie als Textilexpertin der grünen Internet-Plattform Utopia zur Seite... Für das Greenpeace Magazin hat sie bereits unter dem Pseudonym “Müsli-Maid” über Pleiten, Pech und Pannen ihres ökologischen Alltags gebloggt. Zuletzt erschien ihre Titelgeschichte “Stoff-Wechsel. Grüne Mode auf dem Prüfstand” (GPM 3/08). Im Februar 2009 wird sie auf der Biofach in Nürnberg in einer täglichen Talkshow zu sehen sein und eine Diskussionsrunde mit jungen, grünen Labels moderieren.( Text Kirsten Brodde)

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