ein tag modemessen- zwischen design und no-design/oder ist das der angriff auf die basis? auf die masse?

der gestrige tag bei zwei verschiedenen modemessen hat es wieder gezeigt.
ökofaire mode braucht bewußtsein und design. 

letzteres wird allerdings schon mal vergessen.
angesichts der ernüchternden modenschau bei the key.to, das labels der kategorie NO-DESIGN ebenfalls zeigte, stellte sich für mich die frage, was man mit dieser schau bezwecken wollte.

eine schau um der schau willen? firmen wie hempage sind nicht laufstegtauglich, wenn man auf einer coolen designmesse ist. sie bieten basics. leider, es steckt in ihrem produkt hanfstoff so viel potential drin! warum kapiert ihr das nicht, leute?
im thema hanf ist sicher mehr drin als die paar basisschnitte. eigentlich wollte ich bei meinem interview mit einer dame am stand dieses thema ansprechen- als ich erkannte, daß ich mit der designerin höchstpersönlich spreche- da habe ich mich nicht mehr getraut. (hatte heute schon ein ärgerliches erlebnis im bezug auf meine offen vorgetragene meinung an diesem tag).

nun, nach dem ersten schrecken, was da am laufsteg abgeht, stellte ich eine neue theorie auf: vielleicht ist es ein kalkül, auch basics zu zeigen. jeder braucht basics. diese von uns allen zu "begrünen" ist eine wichtige aufgabe. in diesem punkt haben firmen wie hempage und all die dutzenden anderen  eine wichtige funktion- das begrünen unseres kleiderschranks von der basis auf. nur-könnte das auch mit gutem design kombiniert werden?

ein anderes label, dessen namen ich erfolgreich verdrängt habe, ist gar in den 80ern steckengeblieben und zeigte bauchfreie stricktops, wie ich sie in den 80ern als kleines girlie selbst zusammengestrickt habe. dazu crinkle-röcke. zum erschrecken. solche outfits sind ansonsten eher im panda-katalog zu finden. aber bitte nicht bei the key.to, eine im konzept tolle messe!

schön: studio jux. gefältete, sonst cleane schnitte. wasserfall-ausschnitte. glanz trifft auf matt.

die wirklich tollen labels hat man bei der show nicht gesehen. designer wie der berliner DANIEL KROH. die etwas wirklich neues machen- und noch dazu die konzeptkunst bedienen- ohne dabei die bodenhaftung zu verlieren. seine sakkos aus malermänteln und co. sind solide gemachte stücke. er und seine kollegin werkeln übrigens live vor ort und schneidern mode!
oder slowmo,wo ich die wiener geschäftsinhaberin laura  ebenberger beim ordern traf. reduziertes design- ohne ablaufdatum.

es scheint, daß diese firmen im vorhinein geahnt haben, daß es wohl besser ist, sich die sache erst einmal anzusehen. models uninspiriert, styling langweilig. ein großes blatt auf dem kopf und ein angesteckter blonder roßschwanz machen noch kein inspirierendes green styling.

die konventionelle modemesse premium wiederum steht für design. daß die eco labels sich nahtlos in die messe einfügen, finde ich mittlerweile für den falschen weg. natürlich sollte die grüne botschaft nicht mit der brechstange daherkommen.
aber so leicht sollte man es den menschen auch nicht machen. wir alle sollten so weit sein,  der tatsache ins auge zu sehen, daß wir für eine positive welt für alle unseren lebensstil hinterfragen und ändern müssen- da gehört auch der kleiderkauf dazu.


einhellig versichterten mir die labels, daß sie bei der premium sind, weil sie über ihr design wahrgenommen werden wollen. nicht über die grüne botschaft dahinter. ein deutsches label schaffte es aber mich zu verärgern. sie sind nicht gerade die hochwertigsten unter den grünen labels: verarbeitung bewußt wild: offene stoffkanten beim t-shirt zum beispiel. auf meine laut geäußerte meinung, daß ich das nicht gut finde, wurde ich gleich in die "den altbackenen look bevorzugende person- schublade gesteckt. frechheit!
ich war so verblüfft darüber, daß ich leider erst ein paar minuten später mein unbehagen in worte fassen konnte: eco fashion soll cool aussehen, das gewisse etwas haben- und hochwertig sein. ein langlebiges stück sein.  was bringt es, fetzen herzustellen, die zwar aus biobaumwolle sind- aber ebenso aussehen wie fast fashion der marke h&m?
so, genug geschimpft.


nochmal zur tatsache, warum sich grüne labels inmitten von konventionellen labels wohler fühlen als bei the key.to: ist auch klar. wenn sich nur 10% der menschen beim kleiderkauf für art und weise der herstellung entscheiden....90% ist der so wichtige Aspekt wurscht. meine faves: studio jux, sey, inka koffke, les racines du ciel. diese labels stehen für einen erwachsenen look.
fazit: premium punktet mit design, the key.to mit botschaft, einer tollen location und netten menschen. nicht jedes label dort aber verdient den preis für tolles design.


ach, ich könnte soviel schreiben, aber jetzt lege ich mal´ne pause ein. bis denne, aus berlin.

Kommentare

michaela hat gesagt…
hm, für die masse sind die sachen vermutlich noch immer zu teuer, oder?
Anonym hat gesagt…
Auf der thekey.to vermisste auch ich auch die raffinierten Designs. Fand irgendwann welche, kaufte auch welche, aber erst nach langer Suche. Wer mit Anspruch einkauft und entsprechendes Geld ausgeben will, interessiert sich nicht für Basics. Wer Basics haben will, guckt eher auf den Preis und die einfache Verfügbarkeit. Gut und richtig, dass du den Designern gesagt hast, dass sie an deinem Bedarf vorbei arbeiten.

Die Stylings der Modenschau sahen wirklich etwas nach Zeitnot aus. Klemmt euch eine Büropflanze an den Kopf und lauft los, der Rest ist egal. Insgesamt gefielen mir die Messe und die Modenschau ganz gut.

Eine Ansicht möchte ich noch loswerden. H&M nicht so erfolgreich, weil alle Menschen bescheuert sind, sondern weil der Konzern vieles richtig macht. Die Klamotten gefallen den Kunden wirklich, und zwar über Jahre.
Fr.Jona&son hat gesagt…
zu michaela:ich finde die sachen nicht zu teuer- wenn sie ordentlich gearbeitet sind. dann wird es unverschämt.
anonym: danke für dein kommentar. stimme mit dir überein.zum them am bedarf vorbeiarbeiten: das -denke ich- geht vielen menschen so. sie wollen schön gearbeitete kleider-lieblingsstücke- keine fetzen.
und h&m ist für mich ein rotes tuch- in vielerlei hinsicht. sie mögen ja ihre designer gut bezahlen- den rest der menschen, die ein stück fertigen- eher nicht.
Kirsten hat gesagt…
Liebe Sonja, super Blogeinträge zur Berliner Ökomode. Kompliment.
Nie bin ich stärker frustiert von dieser riesigen Menge an Kleidung als nach einer Modewoche. Öko hin oder her.
Mir ist dann nach Shopping-Diät und nach "six easy pieces", die ich immer tragen und neu kombinieren kann. Die NYT hatte dazu ein schönes Lesestück und diese Idee sollten wir beide eigentlich mal testen. Sechs Öko-Kleidungsstücke für einen Monat aussuchen und dann Bilder veröffentlichen..... (www.sixitemsotless.com).

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