das war hamburg

Der Hafen
+erstens, hamburg ist ein schöner ort.
+zweitens, wo grüne messe draufsteht, müssen nicht alle firmen grün sein.
+drittens, ein guter internetauftritt macht noch lange nicht alles richtig- in realität.
+viertens, couchsurfen ist genial. 
+fünftes, es wird demonstriert in hamburg- von jung bis alt. 
+es ist keine kunst beim radfahren in hamburg einen platten zu kriegen. liegt zuviel rum.
Die MessemacherInnen mit Julia Starp-Models

mein grund der reise war die goodgoods und endlich einmal hamburg kennen zu lernen.
fazit goodgoods:
--ein bunt zusammengewürfelter marktplatz ( von mode über limonade über autos bis zu kosmetik und car-sharing...)
--eine große messehalle, die nicht gefüllt war
---ein catering, das pommes und wurst anbot
( und das bei einer grünen messe.....)
Schön: Der Einsatz von Baustellenmaterial: Gerüste, Platten, Paletten. Elegant rustikal.

Palettenturm
DIY-Werkstätten
Es hätte eine Konzentration auf ausgewählte Bereiche gut getan. Oder bessere räumliche Trennungen. Und muß ich mir auf einer grünen Messe die Cotton Made in Africa-Initiative von Otto ansehen? Sharp oder Edding? Mit deren kleinen grünen Nischenprodukten? In der PK am Donnerstag erläuterte der Projektleiter der Goodgoods, daß es ihm wichtig sei, "die Großen und ihr Bemühen um neues ökofaires Wirtschaften auch mit im Boot zu haben." Die Großen, hm. Die Kleinen(Grünen) durften sich über bessere Standpreise(trotzdem sehr hoch) und kleine Stände freuen...



Tesla wird aufgeladen
Der Auftritt von Claudia Langer(www.utopia.de) bei der PK, die  von Produkten sprach, die verführen sollen, zeigte mir, daß es vordergründig um Konsum geht, um das Begrünen desselben.

Nicht um die grundsätzliche Kritik am Konsum: Unser bisheriges Kaufverhalten nur umzufärbeln ist zu wenig, auch wenn die neuen grünen Produkte einfach "sexy und attraktiv" sind, so wie Langer meinte. Ja, Grün ist sexy, das stimmt. Und diese Messe sollte das auch beweisen. Viele AusstellerInnen haben das auch  vermocht.


Ernst Ulrich von Weizsäcker
Ernst Ulrich von Weizsäcker erläuterte in seinem Vortrag  über den Faktor 5, daß nicht nur Effizienz unseres Energiekonsums sondern ein Verringern unseres Wohlstandes zu einem kleineren Fußabdruck führt, doch "dieser Schritt sei politisch nicht durchzubringen".
Und er warnte gleichzeitig vor dem Rebound-Effekt: es werde zwar Energie eingespart, unsere Geräte, Maschinen werden immer effizienter- und gleichzeitig vergönnen wir uns immer mehr Schnickschnack elektronischer Art, der unser Leben bereichern soll. Und somit wächst der Energieverbrauch weiter  in ungeahnte Höhen.

Und das Energiesparen wird ad absurdum geführt. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf wurde die Lektüre des grünen österr. Magazins Biorama zum feinen Ärgernis. Das Magazin, das eine Mischung aus Artikeln und Produktwerbung ist, präsentiert munter die neuesten Errungenschaften für das Rad, für die Küche  und ähnliches. Eh super, Radfahren ist wichtig und eine der besten Fortbewegungsarten für den Körper und die Umwelt. Lächeln über Disco Wheels und I-Phone-Halterungen darf ich trotzdem. Spaßverderberin?


Lächeln kann man auch über die Tatsache, daß in Großstädten wie eben Hamburg die ältesten Drahtesel unterwegs sind. Ein-Gang-Räder, jahrzehntealte Klappräder, Rennräder aus den 80ern, all das habe ich zuhauf auf den Strassen Hamburgs gesehen. Und- brauche ich mehr, wenn das Gelände halbwegs flach ist? Ne. Auch ich durfte die Stadt mit einem alten Rad mit einem Gang und kaputter Vorderbremse erkunden. Der Rücktritt war gewöhnungsbedürftig und so mußte ich mehr oder weniger vor den Ampeln vom Rad springen beim Bremsen, aber ein großer Spaß war es trotzdem...einen Platten schaffte ich am Schluß auch noch..:-)


Grüne Messen stecken schon im Ansatz in einem Dilemma: Sie bieten grüne Produkte, sollen/können gleichzeitig unser Konsumverhalten zum Thema machen. 
Weniger konsumieren ist eine der wichtigsten Strategien. 
Und somit Müll reduzieren! Das Richtige kaufen, wenn es denn sein muß. Reparieren, weniger besitzen, tauschen, teilen- das sind Perspektiven.
Beweisfoto: Fr.Jona&son mit Mandy Geddert. Foto: Enrico Rima

Zum  uneingeschränkt Positiven:
Den netten grünen Modemenschen. Menschen kennen zu lernen und wieder zu treffen, die in diesem Bereich arbeiten und leben: 
Mandy Geddert von CharLe Berlin, Enrico Rima von lebenskleidung, 
Sabine Lydia Müller von dasselbe in grün, Andrea Imgenberg von der Innatex (sie stellte ihr eigenes Label vor), die Labels Batata, PYUA, Recolution, glore und all die anderen.
Eine Einsicht, die ich gewonnen habe: Die Deutschen bilden Netzwerke. Es geht nur so, ist doch die grüne Modeszene eine kleine. Da unterstützt man sich gegenseitig, erläuterte mir Andrea Imgenberg.

Ob das in Österreich auch möglich ist? Ein kleines Land mit übersichtlicher grüner Mode/LifestyleSzene,  
in der sich sich einige Labels tummeln, die ihre eigene Suppe kochen, 
in der manche den grünen Trend nutzen , um sich selbst in Szene zu setzen auf Kosten anderer, 
in der es einige doch mit Kooperation versuchen? 
Ich denke, es ist einen Versuch wert: 
Eine Plattform in Österreich zu schaffen, die alle einbaut, die im nachhaltigen ECOStyle-Bereich tätig sind. Sich unterstützen, dabei eigene Profile entwickeln, sich nicht als Konkurrenten sehen sondern als MitstreiterInnen für eine gute Sache.

P.S. Couchsurfing ist eine tolle Sache. Ich hatte Glück mit meiner Gastgeberin Jutta, die sich Zeit für mich nahm, mir die Stadt zeigte, mich mit dem Rad durch Elbtunnel, St-Pauli, Altona, nach Övelgönne, an die Alster, an den Strand, durch die Speicherstadt, ins Literaturhaus führte. Ein großes DANKE an Dich!
Eines der vielen netten Cafes, die Bollwerke bilden gegen Starbucks und Co.(die im Zuge der Gentrifizierung "alternativer" Bezirke wie St.Pauli und Co. dort auftauchen für neue, zahlungskräftigere Bewohnerschichten)


Eine von drei Demos in 3 Tagen-  eine andere bildeten Rentner vor der Hamburger Sparkasse, die sich um Geld betrogen fühlten, die große am Sonntag war gegen Atomkraft









Kommentare

Frl_Emma hat gesagt…
Liebe Fr. Jona,
da kann ich Ihnen leider nur zustimmen. Ich verkaufe zwar Produkte und konzentriere mich mehr und mehr auch darauf, dass sie ökologisch auch korrekt sind, aber es ist doch auch noch ein sehr schwieriges Thema, dabei auch noch auf bezahlbar und Attraktivität zu achten. Jedoch gibt es mehr und mehr wirklich gute Produkte, was mich sehr positiv stimmt.

Ich denke auch, dass kann ich vertreten. Was ich nicht vertreten kann ist, dass wir alle drei Monate neu einkaufen, reduzieren, neu produzieren, einkaufen und reduzieren. Das ist einfach alles viel zu schnell. Was heute in ist,ist morgen out. Das verstehe ich nicht. Es ist ja gar nicht die Masse, die stetig ihren Kleiderschrank komplett austauscht, aber doch funktioniert der Modemarkt so. Manche Firmen liefern jeden Monat neue Ware in neuen Farben und Co. - doch die Masse trägt es gar nicht. Und doch, will der durchschnittliche Verbraucher eine Vielfalt haben, um aber doch die weiße Bluse zu kaufen, die man auch zu allem kombinieren kann.

Ein schwieriges Thema und ich versuche in diesem Strom nicht mit zu schwimmen, aber das ist schwer.

Ich wünschte mir, der Markt würde anders laufen und mehr auch auf Nachhaltigkeit im Sinne von Kombinationsmöglichkeiten zu setzen und dadurch weniger anzubieten, aber dafür auch bessere Qualitäten. Modisch, aber lange tragbar.

Tja, ich bin sehr gespannt, wohin es sich alles entwickelt! Aber umdenken müssen wir, so viel steht klar.

Danke für diesen äusserst guten Beitrag*

Liebe Grüße,
Frl. Emma
Ist doch alles www.definitions-sache.de

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