Beyond Fashion Summit- Misericordia und Francois Girbaud

Samstag nachmittag, der Saal der Esmod Berlin. Aurelyen, der Gründer von Misericordia, betritt die Bühne.
Aurelyen
Vor acht Jahren startete der ausgebildete Künstler dieses "Workshop-Projekt" in Lima, Peru. Misericordia, das lateinisch soviel wie Mitleid bedeutet, hat sich in den letzten Jahren zu einer der bekanntesten ökofairen Modelabels entwickelt. Aurelyen pendelt zwischen den Kulturen, lebt ein halbes Jahr am Stück in Lima, dann wieder in Paris. Das Labels ist spezialisiert auf Streetwear und besticht durch besondere Aufdrucke, Grafiken, die vom Franzosen Aurelyen selbst gezeichnet werden. Seine Firma sieht er nicht nur als Produktionsstätte für Kleidung sondern als Ort der Ausbildung. So begann seine rechte Hand und wichtige Stütze der Firma, Maria, einst als Reinigungskraft. Die hundertprozentige Identifikation mit der Firma, dem Label und dessen Botschaft ist Bedingung, dann ist für den Franzosen in Lima vieles erreichbar. Er sieht sich als Förderer und Geschäftsmann in einer Firma, in der hart gearbeitet wird.
 "We have built our own paradise" sagt Aurelyen und deutet auf die stimmigen Bilder, die an die Wand projiziert werden. Landschaften Perus, Menschen aus dem Land gehüllt in Misericordia, die als Models fungieren- die eigene Belegschaft. Es gefällt mir, daß der Designer Peru nicht nur als Ort von billiger Produktion sieht sondern auch als Schatz begreift, aus dem er schöpfen kann, sowohl als Inspiration als auch an fähigen MitarbeiterInnen. Um der Marke noch eins draufzusetzen, geht er Kooperationen mit  Designern ein. So wie jetzt mit Kris van Assche.



Francois Girbaud
Dann der Auftritt von Francois Girbaud, einem Original der Modeszene. Gekleidet mit tief sitzenden Denimhosen,  schweren Stiefeln, Kappe und schwarzem Rollkragenpullover bekennt er grimmig ein CRIMINAL zu sein. Ja, ein Verbrecher, der sich am Tod Tausender Textilarbeiter schuldig gemacht hat*. Francois Girbaud gilt als Pionier der Stonewashed Jeans und er kreierte DIE Jeans , die Jennifer Beals in Flashdance trug.  Diesen Zeiten hat er abgeschworen und mutiert heute wieder zum Pionier: Er entwickelte ein wasser- und chemiesparendes Verfahren  um Jeans den Usedlook zu verpassen ohne Umwelt und Menschen zu schädigen: WATT WASH basiert auf Lasertechnik. Mittels Ozon und aktivem Sauerstoff wird der Farbstoff, Indigo, aus der Hose gebrannt. Und diese Technik wird mit den Mitbewerbern geteilt! Marithe & Francois Girbaud sind eine der wenigen bekannten Firmen, die klassisch konventionell begonnen haben und in den letzten Jahren den Weg in Richtung ökologischer Produktion gegangen sind. Und für mich eine Entdeckung.

*Der Usedlook von Jeans wird mittels Sandstrahlen erzielt. Der feine Quarzsand dringt dabei trotz Staubmaske in die Lunge ein und verursacht die unheilbare Silikose(Staublungenkrankheit), die unweigerlich zum Tod führt. In den letzten Jahren wurde diese Technik massiv angegriffen( nach dem Tod vieler Textilarbeiter in der Türkei als Beispiel) und von NGOs thematisiert. Vor einigen Wochen hat Armani dieser Technik öffentlich abgeschworen, andere große Marken wie Dolce&Gabbana oder Roberto Cavalli denken nicht daran auf Alternativen umzusteigen.

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