Leben wir greenwashed?!

Die taz -respektive Bloggerin und Designerin Sina Trinkwalder* von manomama und Eike Wenzel, Trendforscher - haben ein Manifest gegen die Nachhaltigkeit verfasst.

Sie finden die richtigen Worte gegen leichtgläubige KonsumentInnen, die nur allzu gerne "grüne Produkte" kaufen anstatt sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. 
Um sich besser zu fühlen.Was für die Rettung der Welt aber nicht reicht. Große Empfehlung!


Anmerkung:
Gegen das grassierende Greenwashing von Firmen ist ein Kraut gewachsen, es heißt genaues Hinsehen, Mut und Ausdauer sich für mehr Ehrlichkeit zu engagieren. Damit fängt man am Besten bei sich selbst an und analysiert den eigenen Lebensstil ohne den Kopf in den Sand zu stecken. Denn es gibt auch unter den sogenannten Ökos genug, die große Autos fahren, viel Fleisch essen, noch immer keinen Ökostrom beziehen, Ikea und H&M gerne besuchen...und Nespresso  trinken...

Die wenigsten Menschen in unserer Gesellschaft haben noch nie von Klimawandel oder unserem überbordenden Lebensstil gehört. Viele denken sich, naja, was soll ich schon tun? Und eine kleine Zahl an Menschen, die zum Glück wächst, sieht die Möglichkeit einer richtigen Kursänderung bei sich selbst.

Viele Politiker wollen es sich nicht mit ihrer Klientel aus der Industrie verscherzen, diese können leider nicht als Vorbilder für ein ethischeres Leben verwendet werden. Bleiben die Revoluzzer unter uns, die unermüdlich Aktionen starten und Bewußtseinsbildung betreiben. Von manchen als anstrengend empfunden, von anderen nachgeahmt gehen sie ihren neuen Weg. Was also kann ich tun? Kannst Du tun? Können wir gemeinsam tun? Man sieht es an großen Aktionen gegen bekannte Firmen. Es geht was, wenn man als unzufriedener Konsument, als besorgte Konsumentin in Social Media-Aktionen gegen sie antritt.


Nur, seien wir uns ehrlich. Oft werden kleine Erfolge errungen, die medienwirksam gefeiert werden. Wieder die große Firma ein Stück in die Knie gezwungen. Nur, ist das nicht eine Augenauswischerei, wie die ÖsterreicherInnen sagen? Ein wenig Opium für das Volk, Beruhigung für das grün sein wollende Herz? So einfach können so große alte Systeme nicht verändert und umgebaut werden. Da braucht es permanenten Beschuss medialer Art. Physischer Art durch Aktionen, Demonstrationen und die Zusammearbeit aller an einer Änderung Interessierter.


So sehr ich die DETOX-Kampagne von Greenpeace begrüße, die etliche der Großen wie Adidas, Nike und zuletzt H&M zum öffentlichen Einlenken gezwungen hat. Auch sie empfinde ich noch als zu beruhigend.

Diese Firmen haben  sich in den letzten Monaten auf Grund der DETOX-Aktion gegen giftige Chemikalien in ihrem Produktionsablauf zu Zugeständnissen bereit erklärt. Keine Freisetzung gefährlicher Chemikalien bis 2020 will zB Puma. Nur, wie es ein Umweltschützer in einem Gespräch mit mir ausgedrückt hat, " verzichten sie auf die einen und verwenden andere Chemikalien, die vielleicht ein wenig ungefährlicher sind, ....besser wäre eine Positivliste an Substanzen, die für alle erlaubt sind". Gerade bei dieser Aktion fällt mir die gute mediale Aufbereitung, eine flotte Inszenierung auf, die uns alle und mehr mitreissen soll. Reicht das?



Das Buch von Kathrin Hartmann " Das Ende der Märchenstunde" fällt mir zum FAZ- Artikel von Sina Trinkwalder ein. Es polarisierte nicht nur die LOHAS-Szene, weil sie diese als weichgewaschene Ökogesellschaft bezeichnete, die ihr und unser Heil im richtigen Konsum sucht. Es hat einen unbestrittenen Kern: Nur mit "dem richtigen Konsum" allein können wir unsere Welt nicht retten. Dazu bedarf es mehr. Engagieren kann man sich bei verschiedenen Gruppierungen, man muß nicht gleich selbst eine Aktion auf die Beine stellen, wenn man darin unerfahren ist und sich nicht traut.

screen via handmade 2.0

* Sina Trinkwalder hat in den letzten Tagen vom Rat für Nachhaltige Entwicklung die Auszeichnung für den „Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit 2011“ erhalten. Herzlichen Glückwunsch!


P.S. Vielleicht mag bei manchen der Eindruck entstanden sein, daß ich die Verantwortung für den Kurs unserer Gesellschaft in die richige Richtung nur auf jeden einzelnen von uns abwälzen will. Nein, das meine ich nicht.
Es ist allerdings wichtig, wenn wir alle bei uns selbst beginnen, dann ist es auch einfacher zusammen größere Systeme zu ändern und letzten Endes auch der Politik mit guten Strategien auf die Füße steigen.

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