Hess Natur mit neuem zweiten Geschäftsführer ab Anfang 2012

Hier lasse ich die gesamte Nachricht des Betriebsrates zu Wort kommen, der dieser neuen Entwicklung mißtrauisch gegenüber steht.
    BUTZBACH (pm). Völlig enttäuscht und stark irritiert reagiert der Betriebsrat des Ökoversandhauses hessnatur in Butzbach auf die Mitteilung, dass ab 1. Januar 2012 ein neuer Geschäftsführer zusätzlich zum Geschäftsführer Wolf Lüdge die Geschicke des Unternehmens leiten soll.  

Diese Management-Veränderung sei „aus heiterem Himmel“ gekommen, heißt es in der Pressemitteilung des hessnatur-Betriebsrates. hessnatur und die Primondo Speciality Group (PSG), die als Management-Organisation die Ziele für den Butzbacher Versender vorgibt, hatten am gestrigen Montag mitgeteilt, dass Maximilian Lang ab Januar 2012 als Co-Geschäftsführer zum Ökomodelabel kommen werde. Auch die Mitarbeiter seien, so Walter Strasheim-Weitz, Vorsitzender des hessnatur-Betriebsrates, „irritiert“ über diese Neuerung gewesen, die ihnen am Montag im Rahmen einer Betriebsversammlung übermittelt worden sei. Dem BR sei der neue Geschäftsführer noch nicht mal vorgestellt worden.

„Diese Veränderung ist seitens des hessnatur-Managements bei der Primondo Speciality Group (PSG), die hessnatur für den Eigentümer KQMT führt, alles andere als nachvollziehbar. hessnatur steht mit dem aktuellen Management mehr als erfolgreich dar. Wir haben gerade das erfolgreichste Jahr unserer 35-jährigen Unternehmensgeschichte erzielt. Der Betriebsrat vermutet, dass die PSG im Zuge des Verkaufs von hessnatur hier die Fäden in die Hand nehmen und mit dem neuen Geschäftsführer einen Statthalter positionieren will. Der hessnatur-Betriebsrat spricht deswegen der PSG-Geschäftsführung, namentlich Herrn Matthias Siekmann, sein Misstrauen aus." 
Laut den jüngsten Presseberichten hat hessnatur im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Rekordergebnis von über 73 Million Euro eingefahren und den Gewinn mit 5 Million Euro verdoppelt, wie es in der Pressemitteilung der PSG heißen würde. Diese sei auf der hessnatur-Homepage nachzulesen. Mit der hessnatur-Geschäftsführung um Wolf Lüdge gebe es nicht nur eine langjährige, konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit, sondern seit Juni auch eine wichtige Betriebsvereinbarung, die Transparenz und offene Kommunikation und Information im  Hinblick auf den Verkauf des Unternehmens garantiere. Diese stehe nun auf dem Spiel, „da die PSG offenbar einen erneuten Anlauf zum Verkauf des Hauses hessnatur nimmt, und diesen stillschweigend abwickeln will", so Walter Strasheim-Weitz.
Die Informationspolitik seitens des Primondo-Managements stehe für Intransparenz. „Der Betriebsrat fühlt sich an die Monate erinnert, an denen in diesem Jahr immer wieder unterschiedliche Eckdaten für den hessnatur-Verkauf genannt worden sind.“ Informationen dazu seien im Juni 2011 erst mit Unterstützung der Einigungsstille geflossen und mussten erzwungen werden. „Als vor einem Jahr einige Spezialversender der PSG an Carlyle verkauft wurden, sind die Mitarbeiter von BabyWalz und Co. im Rahmen von Betriebsversammlungen auf die gleiche Art und Weise über den neuen Eigentümer informiert worden wie die hessnatur-Belegschaft heute über den neuen Chef – aus heiterem Himmel.“ 
Durch die organisatorischen Veränderungen, die praktisch „über Nacht“ über das Unternehmen hereingebrochen seien, sehen die Betriebsräte ein Risiko für die erfolgreiche Weiterführung des Geschäfts. Eine Neuaufteilung der Geschäftsbereiche sehe laut Pressemitteilung von hessnatur und PSG vor, dass der neue Geschäftsführer wichtige Abteilungen wie Beschaffung, Design und Vertrieb übernehmen werde. „Gerade im Hinblick auf die nachhaltige Entwicklung des hessnatur-Stils und der Kollektionen sowie des stetigen Nachhaltens unserer strengen Standards in der Produktion hat hessnatur in den vergangenen Jahren viel erreicht und umgesetzt. Warum diese Abkehr vom erfolgreichen Kurs?“, fragen die Betriebsräte. Der Bereich Innovation & Ökologie, der „einmalig“ im Versandhandelsgeschäft sei, wie es in der Pressemitteilung des Betriebsrates heißt, und der mit den strengen ökologischen und sozialen Standards praktisch „die Markenwerte von hessnatur“ überwache, solle ebenfalls dem neuen Geschäftsführer unterstellt werden. .„Offenbar geht es der PSG und dem hessnatur-Eigentümer darum, das gewinnbringende Geschäft um jeden Preis zu optimieren. Es geht nur noch ums Geld, nicht mehr um Mitarbeiter, Kunden und nachhaltiges Wachstum. Kurzfristiger Profit steht hier eindeutig über der nachhaltigen Ausrichtung und dem maßvollen Wachstumskurs der vergangenen Jahre“, kritisieren die hessnatur-Betriebsräte.

Walter Strasheim-Weitz, Betriebsratsvorsitzender hessnatur

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