lebensglück hat nichts mit lebensstandard zu tun

Vorletzte Woche hörte ich mir den Vortrag von "Klimamönch" Edmund Brandner in Schwertberg an. Der Lokalredakteur einer oberösterr. Zeitung hatte es sich im Jahre 2010 zur Aufgabe gemacht das ganze Jahr möglichst klimafreundlich zu leben.
Bild via Planet OÖ
Zu Beginn informierte er sich, was "Klimawandel" eigentlich bedeutet und was er tun müsse um seinen ökologischen Fußabdruck soweit zu verkleinern um auf eine maximale Erderwärmung von 2 Grad Celsius zu kommen. Dafür müssten die BewohnerInnen in den industrialisierten Ländern ihren Lebensstil um 80% reduzieren. Der CO2- Ausstoß po Kopf und Jahr beträgt in Österreich/Deutschland  11 Tonnen. In den USA bei etwa 18 Tonnen, in Brasilien bei 1,8 Tonnen. Generell dürften wir maximal 2 Tonnen CO2-Ausstoss verursachen. Vorweg gesagt: Edmund Brandner schaffte es seine bisherige Bilanz auf 4,5 Tonnen zu drücken.

-Zuerst verkaufte er sein Auto und begann mit dem Rad ins 5km entfernte Büro zu fahren und mittels Fahrradanhänger auch Einkäufe und andere Güter zu transportieren. (80% der Autofahrten in Österreich betreffen Strecken unter 10 km, 50% unter 5km- und die gefahrenen Autos haben nicht unbedingt mit den tatsächlichen Erfordernissen zu tun: Die höchste SUV-Dichte Österreichs findet sich nicht im gebirgigen Tirol sondern im 1. Wiener Gemeindebezirk.)

Nach seinen aufreibenden Bürotagen sei er früher "grantig und angespannt" mit dem Auto zu Hause angekommen, hätte einen Snack und ein Bier verdrückt, sich in sein Auto gesetzt und irgendeinen schlechten Film zur Berieselung ausgeliehen. Jetzt kommt er freigestrampelt vom Bürostress und gut müde daheim ohne Bedarf an weiteren Entspannungsversuchen.

-Ein weiterer Punkt, den er verändert hat, war sein Reiseverhalten. Ein Flug von München nach Gran Canaria verursacht 1600 Tonnen CO2, was 1 Jahr Autofahren bedeutet. Fliegen wurde gestrichen: Dafür leistete sich die Familie eine 2wöchige Reise nach Schottland- mit dem Zug und einer Wanderung durch die dortige Landschaft. Man leistete sich einen gemütlichen Schlafwagen ab Amsterdam- was man ja tun kann, wenn man schon kein Auto mehr besitzt und man diese Fixkosten nicht mehr zu tragen hat.

Der Punkt "Konsum" bzw Luxus macht heute 1 Viertel unserer Ausgaben aus: Wir verbrauchen ein Viertel unseres Einkommens für relativ  unwichtige Dinge. Die wir nicht wirklich brauchen. Zuerst darüber nachdenken, ob dieses Produkt auf lange Sicht mein Leben bereichert, dann gegebenenfalls kaufen, war sein Fazit.

"Was brauche ich", wurde zu seiner Frage des Jahres. Und er stellte fest, daß er wenig brauchte um glücklich zu sein. Er brauchte kein neues Handy mit für ihn unnützen Funktionen, er brauchte keine für ihn entnervende Tour ins Einkaufszentrum mehr, keinen Flug sondern lieber eine Wanderung. Er brauchte keinen Film im Kinocenter mehr zu sehen, weil er lieber daheim ein Buch las. Und er mag jetzt viel lieber mit Freunden am Abend kochen und sich austauschen.

Er legte einen Garten an und lernte, Gemüse zu ziehen, begann je nach Bedarf Gemüse der Saison und aus der Region zu kaufen. Alles ging gut, machte auch etwas Arbeit(aber sinnvolle) und viel Freude.

"Lebensstandard und Lebensqualität haben nichts miteinander zu tun," war sein Schluß.


Beim Thema Essen habe er versagt, meint er. Fleisch schmeckt ihm noch immer. (Die Fleischproduktion stellt mit der Erzeugung von Käse die größte Energieverursacherin/Verschwenderin im Lebensmittelbereich dar. Dazu untenstehend eine Tabelle.) Mein Fazit jenes Abends: Der Autor war sympathisch authentisch bescheiden und zeigte, daß es eigentlich ganz einfach ist, sein Leben zu ändern und von unnützem Ballast zu befreien- wenn man den Mut dazu aufbringt wirklich lieb gewordene Angewohnheiten und unbedachten Kosum zu ändern und durch NEUES zu ersetzen UND die Verantwortung für sein Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Fazit: Analysieren wir unseren  eigenen Lebensstil, erkennen wir, wieviel wir besitzen,  das wir nicht brauchen und Schränke und Garagen verstopft. Wenn wir sehen, wie leichtfertig wir unser Geld ausgeben für Dinge, die  wenig mit uns zu tun haben und wie knausrig wir manchmal sind, wenn es um Bio, Fair und grüne Mode geht..... Brandner sah, daß er weder Auto noch große Reisen  und Ähnliches braucht um glücklich zu sein. Ein gutes Buch lesen, mit Freunden kochen, einen Garten anlegen und Rad fahren. 
http://www.radler-sw.de

Man stelle sich vor, wenn wir möglichst viele Strecken unter 5km mit dem Rad fahren würden oder zu Fuß gehen- welche Ressourcen wären eingespart. Und gewonnen hätten wir auch- nämlich Lebensenergie, weil wir unseren täglichen Sport schon bei unseren täglichen Wegen geleistet haben. 10.000 Schritte am Tag sollten wir schaffen, sagen Gesundheitsexperten.....man betrachte die Überbrückung von Distanzen als sportliche Angelegenheit. Nicht als die von PS.

Zeit mit der Familie, mit den Nächsten, Zeit um nachzudenken, Zeit für sich selbst. Hier hake ich bei dem deutschen Kulturwissenschaftler Harald Welzer ein, der genau in diese Kerbe schlägt. Wer sagt , daß ein Verzicht vom bisherigen Lebensstil oder Lebensstandard etwas mit "Verzicht" zu tun hat?

Buch: 
Edmund Brandner
Tagebuch eines KLimamönchs
Trauner Verlag

CO2-Vergleich von Käse, Rindfleisch und anderen Lebensmittel

Lebensmittel
wie Käse und Fleisch
im Vergleich
CO2-Emissionen
in g pro kg Lebensmittel
Energiegehalt
in kcal pro kg Lebensmittel
Käse 8340 3600 (40% Gouda)
Rindfleisch 6430 2300 (mittelfett)
Eier 1930 1600
Schweinefleisch 1870 1700 (mittelfett)
Geflügelfleisch 1330 1000 (Brathähnchen)
Tofu 1100 700
Milch 940 640 (Vollmilch)
Nudeln 920 3800
Brot 720 2800 (Brötchen)
Obst 450 500 (Apfel)
Kartoffeln 200 700 (Pellkartoffeln)
Gemüse 150 160 (Blumenkohl)
Liste entnommen der Seite http://www.co2-emissionen-vergleichen.de/Lebensmittel/CO2-Lebensmittel-Fleisch-Kaese.html


Eine Fortsetzung zum Thema Lebensstil folgt, schließlich ist jetzt die beste Zeit um seine Gewohnheiten zu analysieren und sich innerlich als auch äußerlich von Ballast zu verabschieden.

Kommentare

Antje Radcke hat gesagt…
Bin beeindruckt: Seit Jahrzehnten beschäftige ich mit Fragen eines nachhaltigen Lebensstils und lebe und genieße danach. Dennoch ist mir der Unterschied zwischen Lebensstandard und Lebensstil nie bewusst aufgefallen. Dieser Unterschied ist aber wichtig! Danke für die Anregung zum Weiterdenken.
Fr.Jona&son hat gesagt…
Ja, dieser feine Unterschied ist mir irgendwann bewußt geworden und auch Herrn Brandner. Er hat dies sehr gut rübergebracht.

Ein Lebensstandard ist relativ und hängt oft vom Geldbeutel ab- kann aber auch bewußt gesetzt werden.

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