Der große Bioschmäh- Buchtipp/ Oder: Greenwashing und Bio- Oder: besser die Kleinen unterstützen


Ich habe heuer das Buch "der grosse Bioschmäh" von clemens g. arvay gelesen. Fazit: es entsteht ein ungemütliches Bild über eine Branche, die bio sein will und heute den Markt dominiert: die Bioindustrie der großen Handelsketten.

Die ersten Bioläden gibt es etwa seit den Siebziger Jahren, die ersten  Biobauern und -bäuerinnen wurden schief angeschaut auf den Märkten, wenn sie mit ihren Produkten gekommen sind. bio lebte von einigen individualistInnen, die etwas anderes als Dünger, Spritzmittel und Pestizide wollten und den Einklang mit der Natur suchten. (meine eltern waren mit dabei mit ihren Bio- Tomaten, -paprikas, -kraut und -auberginen(damals eine sensation in unseren breiten) . unsere stammkunden waren hauptsächlich lehrerInnen. .)

via internet
bio scheint im 21. jahrhundert in unserer gesellschaft angekommen zu sein, scheint es. nicht ganz, meint Arvay, denn seit große handelsketten den biotrend als trend erkannt haben, haben sie ihre eigenen nischen aufgebaut und mit enormen werbeaufwand in unsere köpfe geblasen. heute dominieren  hofer, spar, billa und co. den biomarkt in österreich. etwa 85% des marktes entfallen auf diese firmen. den rest teilen sich die neuen und alten bioläden, direktvermarkterInnen ab hof und andere. hier setzt das buch von arvay an: die "bioindustrie"  hat mittels werbung ein bild der biowelt erzeugt, das irreführend und falsch ist. der agrarbiologe wollte es genau wissen und er fand ein bild von biologischen und konventionellen produktionsweisen im großen stil, die annähernd gleich sind . biohühner werden neben ihren konventionellen kolleginnen geschlachtet und haben vorher nur die aufgabe schnell zu wachsen und keine "scherereien" zu machen. bio-legehühner sind durch die hohe anzahl ihrer artgenossinen so gestresst, daß sie nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen auslauf nach draußen nützen, weil sie ihre angeborenen verhaltensweisen verlernt haben. saisonarbeiter, die auf großen bio-gemüsefeldern  im burgenland arbeiten und sich schlecht behandeln lassen müssen, monsanto-saatgut für ja! natürlich...so stellt man sich die biowelt, selbst wenn sie im großen stil passiert, nicht vor.

Michael Braungart über neue Produkte, 2011, byEnrico Rima
Was mir jetzt zum Buch und seiner Kritik einfällt, sind Messen wie die Green Expo, die die Big Player der Bio- und anderen Branchen vorstellt(letztes Jahr war sogar Porsche dabei(?)) und dazu kleine Labels/Marken, die sich zum Teil selbst als Aufputz gefühlt haben(eine Messe, die bei freiem Eintritt zehntausende Menschen anzieht, am Wiener Heldenplatz stattfindet und der österreichischen Bevölkerung und internationalen Gästen den Biogedanken näher bringen will.) ein besuch mit clemens arvay auf der green expo und ein anschließendes Gespräch zum Thema Greenwashing wäre wahrlich interessant :-) Letztes Jahr haben Enrico Rima sowie andere FreundInnen aus der grünen Modeszene Deutschlands und Österreichs ihre durchwegs zwiespältigen Eindrücke mit mir geteilt- bitte nachlesen



Fazit: Ich werde das Buch nochmals lesen und mir dann  Messen wie die Green Expo  ansehen oder die fairfair und mir mein  Bild machen. Ansonsten habe ich nach dem Buch wenig Lust auf Biobrötchen( werden oft quer durch Österreich transportiert, zwischengelagert und dann im Geschäft aufgebacken), freue mich über meine eigenen bunten Tomaten, anstatt die Mini-Nische einer Biomarke zu unterstützen, die ansonsten auf Monsanto-Saatgut zurückgreift....und mich über die Direktvermarkterinnen in der Umgebung freuen. 




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