Was hat Ja! Natürlich mit Nespresso zu tun ? Und andere Geschichten von dem ersten Tag der Green Expo

 
Freitag, 10.30. Freundin Regine bestellt sich einen Kaffee im Ja!Natürlich-Zelt. Es riecht nach Kunststoff und die Innentemperatur liegt höher als die Außentemperatur. Die Servicekraft im Ja!Natürlich- Shirt öffnet die Nespresso-Schachtel, nimmt eine Kapsel heraus und befüllt die Maschine.

Bemerkenswert war die Ansammlung von E-Mobilität: In diesem Bereich hatte die Messe einiges zu bieten, vom Tesla, Volvo, den Renault Twizy  und anderen Marken. 

Im heißen Fashion-Zelt freute ich mich über ein Wiedersehen mit den gut geschnittenen Modellen von
-Shakkei, einem der wenigen Labels im grünen Modebereich, das sich auf hochwertige Schneiderkunst spezialisiert.
-Zerum mit sehr guten Siebdrucken zum Thema "Bike" zum Beispiel  und mehr und
-GreenGround von Kathrin Haumer, wo ich ein hübsches paar Socken von braintree erstand.
Mr Boombuz
-Brigitte Wagner von Kamaeleon bot eine bunte Palette an Kindermode aus Herrenhemden und Fleece. Neu: Sie möchte ab Herbst auch Biostoffe in ihre Kollektion integrieren. Und
- das Team von Boombuz, das seine bunten kompostierbaren Flipflops vorstellte. Dass ich den einstigen Mitbegründer (und jetzigen Chef von Boombuz) von so innovativen Labels wie Wexla( machte sich einen Namen mit der Entwicklung eines selbst zusammenstellbaren Schuhs) vor mir hatte, freute mich. Dass neue Labels wie Oat Shoes aus den Niederlanden so einiges an Technologie-Wissen von diesen innovativen Österreichern lukriert hatten, ist nur ein Detail am Rande. Er freue sich, wenn die Idee des kompostierbaren Produktes weiter getragen wird.
Backhausen Stoffe
Die Stoffe von Backhausen, die allesamt dem Cradle to Cradle-Prinzip folgen, waren eine Augenweide. Klare Muster, Stoffe, die komplett wieder verwendbar sind- die Frage ist, ob es sich um ein gleichwertiges Re-Cyclieren oder um ein Downcycling handelt. Diese Frage habe ich vergessen zu stellen

Stände wie Respect.net, Vegan.at, Footprint, animal.fair waren weitere erfreuliche Lichtblicke dieser Messe, die durch den prominenten Standort hoffentlich viele Interessierte BesucherInnen gefunden haben. Die Stände einiger Lokale in Wien wie den Szene-Veggie TIAN oder INDOCHINE zeigten den hippen Zugang zu Essen.Veggie muß nicht langweilig sein.

Da es keinen Eintritt und keinen offiziellen Eingang gab, fehlte mir das "Verbindliche". Man schlendert halt so durch, plaudert mit AusstellerInnen und selbst die Vertreterin am Stand der Organisation hatte nur ein "Sie können sich ein Magazin nehmen" für mich übrig. Der Standort am Heldenplatz und der freie Eintritt könnte die Massen dazu bewegen die Messe zu besuchen. Nur ist mir nicht ganz klar, für wen die Messe ist: Für ein paar Prominente oder  große Firmen, die ihre grüne Seite herauskehren wollen oder doch für ein Steigern des Bekanntheitsgrades der Idealisten, den Ständen der kleinen Labels und NGOS? Etwas hat gefehlt.

Vielleicht fehlte mir einfach das Herzblut, der Idealismus, die Begeisterung für einen nachhaltigen Lebensstil, den man selbst lebt und vertritt- für mehr Bewußtsein seinem eigenen Lebensstil gegenüber, mehr Nachdenken und den daraus folgenden Konsequenzen.Irgendetwas in der Richtung. Und beim Durchblättern des Green Expo-Magazins mit Überschriften wie "Grün zu handeln ist en vogue" oder "Wien wird endlich grün" weiß man, wie "ernst" dieses Thema genommen wird. En vogue? Ist ein bewußter Lebensstil etwa eine Modeerscheinung? Oder sind wir schon im grünen Universum angekommen?

Und darf eine grüne Messe Nespresso-Kaffee ausschenken? Was bei anderen grünen Messen ein absolutes NoGo wäre, scheint in Wien kein Problem zu sein. Selbst die Rückseite des Messemagazins wirbt mit dieser Firma.





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