Die kleinen Dinge...ein kleiner Nachbericht- Green ShowroomBerlin

Rein modemäßig hätte ich mir einige Programmpunkte vorgenommen, geworden sind es nur wenige. Denn, erstens ist es bei Platzregen schlecht keinen Schirm zu haben und wie eine nasse Maus bei einer Modeveranstaltung aufzutreten habe ich mich dann doch nicht getraut (sorry Innatex Lounge, sorry Scoop) und drei Tage sind schnell vorbei. Also, hier ein paar Highlights.

  Green Showroom Hotel Adlon

Cocccon-Kleid
Mein Highlight im Hotel Adlon war das indische Label Cocccon . Das Designduo Prakash und Anupam besinnt sich auf ihre Region  und formt aus dem reichen Kulturschatz, den bestehenden Textiltechniken und der Tatsache, daß die Region Jharkhand eine sehr arme ist,  hochwertige Produkte: Bio-Peace-Silk, Biobaumwolle, Kleider und Accessoires. Gefältelte schmal geschnittene Kleider, wunderschöne, reich bestickte Accessoires, die man je nach Geschmack anstecken oder als grandiosen Kopfputz adaptieren kann. Dabei werden bestehende Stoffe und Kleider recycelt, die Stoffe, Stickereien und Perlen wieder verwendet und durch neue Perlen und Swarovskiperlen ergänzt. 
Kokon mit Loch und Befestigung am Baum


Accessoires aus recycelten Saris, Ketten und Perlen
Wie die aufwändig gearbeiteten Kleider in Serie produziert werden können, kann ich mir aus meiner Erfahrung nicht ganz vorstellen, aber ich hatte vergessen danach zu fragen. Jedenfalls biete dieses indische Label wunderbare Modelle mit Unikatcharakter auf internationalem Niveau. Daß  etliche deutsche Labels wegen der Stoffe vorbeigeschaut haben, freute Prakash, unseren Gesprächspartner, besonders, denn er möchte seine Stoffe allen interessierten Labels zur Verfügung stellen. Sie sind GOTS-zertifiziert. So kann er seiner Region zu stabilen Arbeitsplätzen verhelfen.






Anne- Christin Barnsleben mit den wunderbaren deepmello-Schuhen
deepmello. Das deutsche Label, das sich von "The Rooters" zu  deepmello umbenannt hat (um mögliche Rechts-schwierigkeiten mit einem ähnlich heißenden Label zu verhindern), ist auf Design von mit Rhabarberextrakt gegerbtem Leder spezialisiert. Es präsentierte diesmal ganz neu  Taschen von  Gastdesignerin Esther Perbandt. Daneben formten die Schuhe von Anne Gorke und die breiten soften Ledergürtel ein perfektes Bild, wie klar und sinnlich Leder aussehen kann. Die Herrentaschenlinie konnte mich nicht ganz überzeugen, denn softe Abschlüsse, die man einfach einrollt und locker mit Bändern zumacht statt sie handfest zu verschließen- wird eher taschenverliebte Frauen und Männer überzeugen, nicht aber die "Praktiker". Labelgründerin Anne-Christin Barnsleben ist die perfekte Botschafterin für ihr Label. Sympathisch, schön und natürlich und in deepmello gekleidet.


Mir fiel ihr Schmuckstück auf, ein überdimensionales feines Herz aus vergoldetem Silber, das um ihren Hals baumelte. Es stammte von ihrem "Nachbarlabel" im Zimmer. SEEME zeigt mißhandelte geschminkte Frauen, die Schmuck präsentieren. In den Slums von Ankara fertigen weibliche Opfer häuslicher Gewalt diese schönen schlichten Stücke, die Designerin Giovanna Villani und ihre Partnerin Caterina Occhio entwerfen. Ein Interview mit Occio ist hier nachzulesen.






Schuhe ua aus Fischleder
Luiza Pereia. Sehr schöne Schuhe verschiedenster Fasson im Vintagelook der brasiliaischen Designerin. Sie verwendet pflanzlich gegerbtes Leder und Fischleder und verarbeitet das Leder zu wunderbaren Stücken, die etwas vom Hauch alten Glamours besitzen und die Trägerin definitiv eleganter machen.








Studio Ecocentric
Studio Ecocentric präsentierte wieder feminine Kleider, mit schmaler Taille und Hemdblusenkragen sowie  Röcke und süß bedruckte Halstücher, die aus jeder Frau eine Frau mit Taille machen. Love!  Ich empfinde dieses Label als wohltuende Erscheinung im grünen Modedschungel aus T-Shirts und Jerseydrapees, eines der wenigen, das auf den Körper schneidet und sich nicht auf die Dehnbarkeit ihres Stoffes verlässt. Und wer behauptet, daß feminine Kleidung aus Frauen kleine süße Puppen macht, irrt. Feminismus in schwingenden Röcken macht definitiv mehr Spaß als im Jerseyoutfit der Masse.






Trend zu kleineren Produkten
Royal Blush-Gründerin und Mitorganisatorin der letzten Green Showrooms, Jana Keller, fokussiert auf Accessoires.
Die mit Taschen bekannt gewordene Schweizer Designerin hat -wie mir ihr Vertreter erklärte- Abstriche machen müssen, denn ihre großen pflanzengegerbten Taschen waren den EinkäuferInnen einfach zu teuer. Mit Accessoires wie Armbändern und kleinen Taschen konzentriert sich das Label nun auf die kleineren Dinge, die leichter verkäuflich sind.

Richtung?
Bei so mach anderen Design- Labels wie Schmidttakahashi habe ich im Vergleich zum letzten Jahr keine Veränderung sehen können, was auch eine Stärke sein kann. Die Mode der beiden Berlinerinnen ist zeitlos. Sie verarbeiten alte Kleidung zu neuen Stücken und verbinden diese mit neuen Biostoffen. Und stossen dabei an die Grenzen von Recyclingmode. Denn ob der fehlenden Verfügbarkeit der immer gleichen Modelle werden Abstriche gemacht. So konnte man zB zwischen einem Recyclingmodell wählen und einem gleich aussehenden Modell aus neuen Stoffen, das dafür in größerer Stückzahl produziert werden kann. Es würde meiner Ansicht nach Sinn machen sich bewußt zu entscheiden, ob man Recycling einfach nur als den kreativen Anstoss für ein Modell nimmt und es dieses in "Neu" übersetzt und in Serienproduktion fertigt, vielleicht Zitate vergangener Zeiten in den Modellen aufgreift. Oder sich klar zum schwierigeren Leben als kleines Label entscheidet, daß wunderschöne Unikate macht. Aber  beide Techniken gegenüberzustellen halte ich für nicht zielführend.  Mich würde ja interessieren, wie die Resonanz auf ihre Kollektion war. Was besser angenommen wurde. Unikat oder Serie. Da frage ich noch nach.

1. Fazit: Ich war von einigen schönen Neuentdeckungen siehe Cocccon überrascht, sehe den Trend hin zu mehr "schmückendem Beiwerk" um grüne Modeaccessoires kommerzieller zu machen und mir fehlen noch die großen Designsprünge. Labels, die sich zu sehr auf ihr hochwertiges Material verlassen und dabei das Design außer Acht lassen, werden sich schwer tun im Geschäft und der grünen Modebewegung nicht aus der grünen Modeecke heraushelfen sondern sie dort einzementieren. Und ich liebe Berlin! Weitere kleine Nachberichte folgen.
 









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