Primark, Mark Starmanns, Bangladesh und Vance Packard

Die letzten Tage verbrachte ich auf der WearFair und ein Schreiben über andere Dinge war nicht möglich. Obwohl, eine Meldung der letzten Tage passt dann doch irgendwie dazu: Primark, die irische Traditionsmarke für billige Bekleidung, hat in Innsbruck sein erstes Geschäft in Österreich eröffnet. Modebloggerinnen, KonsumentInnen und Medien freuten sich und waren  bei diesem "Ereignis" dabei.....

Opening Primark Innsbruck

 Hinter dem Vorhang 
Mark Starmanns, Bildcredit: Netzwerk Faire Mod
Welches Leid mit der bloßen Tatsache verursacht wird, daß Firmen wie H&M, Primark und viele andere die Philosophie "Wegwerfmode" in ihrer Business-Strategie festgeschrieben haben, ist nicht abzuschätzen. Die Strategie macht aus Menschen in asiatischen Ländern Lohn-Sklaven, die mit ihrer Arbeit nur ein Drittel des staatlichen Mindestlohns verdienen. Das bedeutet, daß diese Menschen pro Woche bis zu 80, ja: ACHTZIG ÜBERSTUNDEN machen müssen, um ihre Familien schlecht und recht ernähren zu können. Im Monat kommen da je nach Situation schon mal 230 Überstunden zusammen. Beim ExpertInnenBrunch auf der WearFair hat  Mark Starmanns, einer der Experten bezüglich Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie in seinen 8 Fragen an das Lieblingsunternehmen(ganze Präsentation hier) Einblicke in die textile Realität  vermitteln können.


Konsum als Teil des Lebensinhalts zu sehen, ist nicht naturgegeben sondern wurde über einen langen Zeitraum von Industrie und Werbung in das Bewußtsein der Bevölkerung (ausgehend von den U.S.A ) eingetrichtert. Schon in den Fünfziger Jahren(!) prangert der amerikanische Kulturkritiker Vance Packard in seinem Buch "The Waste Makers" den Massenkonsum und die Kultur des Wegwerfens in den U.S.A an. 

"Packard outlines the ways manufacturers and advertisers persuade consumers to buy things they don't need and didn't know they wanted, including the two-of-a-kind of everything syndrome—"two refrigerators in every home"—and appeals to purchase something because it is more expensive, or because it is painted in a new color. The book also brought attention to the concept of planned obsolescence, in which a "death date" is built into products so that they wear out quickly and need to be replaced. By manipulating the public into mindless consumerism, Packard believed that business was making us "more wasteful, imprudent, and carefree in our consuming habits," which was using up our natural resources at an alarming rate."...Auszug aus amazon.com
 Sind wir dadurch glücklicher geworden?
Was ist ein gutes Leben? Es findet sicher nicht in einem vollgepackten Geschäftslokal  statt. Vielleicht wäre es gut, wenn Kleider sprechen könnten und ihre Geschichte erzählten- über die Menschen, die sie gemacht haben. Wer mit DesignerInnen  zusammenkommt, sie kennenlernt und sieht, wie Kleidungsstücke entwickelt, zugeschnitten und genäht werden, sieht, daß das Material einen Preis hat und die Arbeitszeit auch, versteht um den Wert eines Kleidungsstücks.  Wie kann man da ein T-Shirt um 7 Euro kaufen? Eine Jacke um 20 Euro? Oder eben Mode bei Primark, das H&M mit seinen Preisen noch unterbietet? 
 
link zu Video über die Situation in Bangladesh
Die Näherinnen in Bangladesh und anderswo sind nicht auf die Welt gekommen, um uns wohlstandsverwöhnten Menschen billige Kleidung auf den Leib zu schneidern. Oder in Fabrikshallen ihr Leben zu lassen. Nur um uns noch mehr und noch mehr Produkte leistbar zu machen. Sie würden ebenso gerne einfach ein erfülltes Leben führen, Chancen haben, eine fair bezahlte Arbeit und gute Arbeitsbedingungen.

Aktion.
All jene, die Massenmode lieben und auch bereit wären, ein wenig mehr zu bezahlen:
Macht Druck auf Eure Lieblingslabels: schreibt ihnen, tauscht euch auf Facebook aus und macht klar, daß ihr saubere moderne Kleidung wollt. Firmen fürchten nichts mehr als unzufriedene, lästige und LAUTE Kundinnen. Eine Möglichkeit ist hier nachzufragen: http://www.cleanclothes.at/
Und dem Lieblingsunternehmen die 8 Fragen von Mark Starmanns zu stellen.



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