Vanessa Paradis und H&M Conscious Collection und Mahatma Gandhi

"Der Mensch kann nicht in einem einzelnen Lebensbereich recht tun, während er in irgend einem anderen Unrecht tut. Das Leben ist ein unteilbares Ganzes.“ Dieses Zitat kam mir in den Sinn, als ich die neue Pressemitteilung von H&M las.
 


"Vanessa Paradis ist diesen Frühling das Gesicht der Conscious Collection von H&M. All das ist Teil von H&Ms kontinuierlichem Engagement für eine nachhaltigere Zukunft in der Mode, indem H&M zeigt, dass die beste Mode aus Conscious Material gefertigt sein kann." So blumig, so H&M. "Zeitgleich mit der Kampagne startet in den Geschäften von H&M die Conscious-Kleidersammlungsaktion. Kunden in allen Ländern können gebrauchte Kleidung unabhängig von der Marke in ausgewählte Geschäfte bringen und erhalten für jede Einkaufstasche mit Kleidung einen 15% Rabattgutschein auf ein Lieblingsteil. Jeder Kunde kann pro Tag maximal zwei Einkaufstaschen abgeben. H&M ist das erste Geschäft, das eine Kleidersammlung in so großem Stil startet, um zu vermeiden, dass Kleidung weggeworfen wird..."
Massenkonsum mit Massenkonsum belohnen?
Hier hakt es: Kleidung in Massen zurückgeben für neue Massen an Kleidung? Genauer betrachtet, man gewährt nur einen kleinen Rabatt auf ein "Lieblingsteil", was das Unverhältnis im Wert zwischen "alter" und neuer Kleidung zeigt: 1 Sack Kamotten für ein Teil? "

Sieht man über diese kleine Tatsache hinweg, daß der schwedischen Firma ihre eigene Kleidung wenig wert zu sein scheint, wird das heute vorherrschende System als tolle Strategie bejubelt: Massenkonsum wird mit Massenkonsum belohnt. Dabei, so sind wir uns sicher alle einig, sollte eine so große Firma wie diese ihre Macht nutzen, um Gutes zu tun. Ganz nach Gandhi, ohne Pathos und Moralaposteltum. Sollten wir uns wirklich mit einem solchen System abfinden?

Mit Massenkonsum, mit Billigung von Unterdrückung derjenigen, die diese Kleidung entlang der Produktionskette fertigen? Mit Füllen des Schrankes, Leeren des Schrankes für weitere Beute? Kleidung als Durchlaufposten. Sorry, liebe H&Ms und andere, der Aufwand an Ressourcen und Energie ist zu hoch.

H&M will Gutes tun: Dies geschieht aber nicht mit einer kleinen Aktion wie der Conscious Collection-  Ich wünschte, sie würde am Fundament ihrer Firmenstrategie kratzen, wenn sie denn sagen würde: Kauft wenig, kauft bewußt. Kauft zu einem fairen Preis. Werft nichts weg. Verwertet, reduziert und verweigert. „Der Mensch kann nicht in einem einzelnen Lebensbereich recht tun, während er in irgend einem anderen Unrecht tut. Das Leben ist ein unteilbares Ganzes.“

Kommentare

Kathrin Wittich hat gesagt…
Und gut und wichtig, es sich immer wieder in Erinnerung zu rufen!
Florentina hat gesagt…
Super post!

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