Das war die Fashion Week- Ethical Fashion Show

Collage von Nuurmi
Ich starte einige kleine Nachberichte meiner Fashion Week-Erlebnisse mit der Ethical Fashion Show. Die Messe, die vor einigen Jahren von Paris nach Berlin übersiedelt ist, präsentiert sich überaus entspannt in ästhetisch perfekt gealterten Industrieräumlichkeiten. Hohe Räume, Industrial Chic trifft auf grüne Mode in seinen unterschiedlichen Ausprägungen.

Meine Highlights:

Anniina Nuurmi
Nuurmi aus Finnland. Die junge finnische Designerin Anniina Nurmi zeigt klares aufgeräumtes Design. Reduziert auf die Nichtfarben Schwaz und Weiß gesellt sich das verwaschene Blau und Grau von Recycled Denim-Hosen dazu. Kasackförmige Kleider, schmale Jeans, schmale Herrenhemden mit kleinen Muster-Details dazu ein geometrisches Muster treffen genau in mein skandinavisches Design liebendes Herz.. Accessoires wie Stirnbänder, Turbane, Fliegen und markante Ohrstecker runden das Angebot ab. Diese Kollektion ist reduziert, stimmig und ließ mich angesichts anderer überladener Kollektionen richtig aufatmen.

Die Damen von OH MY BAG
Oh My Bag aus den Niederlanden sind meine zweiten Favoriten, die ich mir merken werde: Sehr schön verarbeitete Taschen im Vintage-Look von Designerin Paulien Wesselink. Robustes vegetabil gegerbtes Leder mit Prägungen in den Farben Braun, Nachtblau und Schwarz. Produziert in Indien.

Weitere Labels, die ich immer gerne mag, sind  Sey Jeans von Selma Yasdut, die sich neben den bewährten dunklen Damenjeans auch ins modische Lager wagt und Trends wie Laser Wash oder Patchwork-Denim aufgreift. Und Minga Berlin, deren Socken sich qualitativ verbessert haben und mit einer wilden Farbenpracht punkten.


Produzenten
Für alle unter euch , die Stoffe und Zubehör brauchen, seien folgende Firmen zu nennen:
ein Blick auf eine von zwei Hallen
Knöpfe von Knopf Budke
Lebenskleidung mit seinen zahlreichen Biostoffen, Knopf Budke, der schon seit Jahrzehnten Knöpfe aus Naturmaterialien macht, und mit interessanten Recyclingmaterialien punktet. Recyclingpapier zum Beispiel, recyceltes Horn und mehr. Und die Plattform Interloom möchte ich hier nennen, die für DesignerInnen alles- von Nähgarnen, Spitzen, Stoffen bis zu Services diverser Art im Angebot hat.

Die Mischung der Messe zeigt die Vielfalt der Branche: Ökomode hier, neues zeitgenössisches Design dort. Dazwischen Streetwear. "Sie hat sich etabliert- sowohl national wie auch international", sieht Enrico Rima von Lebenskleidung eine immer bessere Positionierung der Ethical Fashion Show. Es sei ein Muss, dort auszustellen. Derzeit würde ich schon behaupten, daß die Ethical am Besten geeignet ist, DIE grüne Modemesse Berlins zu sein- wenn denn die anderen Labels, die sich auf anderen Schauplätzen präsentiert haben, auch hier einfinden und die Messe nicht zu sehr auf Öko/abgerockt setzt. Der Green Showroom als perfekte Fläche für hochpreisige edle Labels als Ergänzung und Highlight dazu. 

Denn- Messen wie die Premium scheren sich keinen Deut um Eco. Dort tut man als Label gut daran, seine Eco-Herkunft unter den Teppich zu kehren. Doch nur über die Optik zu gehen um konventionelle Einkäufer nicht zu verschrecken,, kommt mir ein wenig schizophren vor. Aber gut, ich bin keine Designerin, die ebendort steht und ihre Kollektion an möglichst viele Byers verkaufen will. Ich sehe das rein idealistisch romantisch. Ich würde mich sehr sehr freuen, wenn die Eco Design Branche selbstbewußt ist, hochwertiges Design bietet und ihre schönen Kollektionen auch immer mit ihrem Bewußtsein für ethische Produktion vor den Vorhang stellt. Grüne Mode wird nie die ganze Modebranche bekehren können, doch sie tut gut daran, den großen konventionellen Goliath vor sich herzutreiben. Um ihn in den Hintern zu treten und das mit Selbstbewusstsein, Professionalität und Raffinesse. Und dann brummt die ganze Szene.



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