Wie muß Eco Fashion sein?


Ein Aspekt ist mir letzte Woche ins Auge gestochen, der mich nach wie vor beschäftigt. Die Frage nämlich, warum Eco Labels bei großen konventionellen Messen wie der Premium ausstellen und welche Botschaft es aussendet, wenn man Kunden rein über die Optik fangen will. Wie sollte Eco Fashion sein?

Aufgefallen ist es mir schon bei der Ethical Fashion Show, wo mir ein Jeanslabel seine neuesten Waschungen vorgeführt hat. Auch um zu beweisen, dass es nicht nur schöne Jeans in klassichem Dunkelblau produziert sondern auch am Puls der Zeit ist. Mit Laser Wash, mit Pachwork-Elementen. Auch bei der Premium sah ich einige Eco-Labels, die optisch völlig in der Ästhetik der konventionellen Modemarken aufgehen. Das, was ich früher positiv registriert hätte, daß man ja wirklich keinen Unterschied zwischen konventionell und grün feststellen kann, stört mich jetzt doch.

Außengestaltung bei der Premium
Ist Laser-Wash oder anderes in Mode, wird es quer durch die Bank, von konventionell bis eco, gemacht. Destroyed Jeans, ausgewaschene Farben, offene Kanten, hauchdünne Jersey-Qualitäten, die schnell kaputt werden, Farben, denen man das Ablaufdatum ansieht. Warum bemühen sich Eco Labels um eine schnelllebige Ästhetik? Wenn es nur auf diesem Weg möglich ist, konventionelle Einkäufer zu einer Order zu bewegen, dann sind wir wieder beim herkömmlichen System, nur ein wenig ethischer produziert.Das Impulskaufen bleibt.

Die kleine Eco Design Gemeinschaft, die mit einem Marktanteil von nicht einmal 3 Prozent eine sehr kleine Nische ist, wird niemals die Masse begrünen können. Wenn es an der Zeit ist und es sich finanziell rechnet, steigen die Großen ein und teilen sich den "Biomodemarkt" untereinander auf, könnte ich mir vorstellen. Sie verfügen über große Strukturen, viel Werbebudget, das können kleine grüne Firmen nicht leisten.


Vorbild Biolebensmittel- Branche?
Die Biobranche lebt uns diese Entwicklung schon seit den Siebziger Jahren vor: Zuerst begannen die Pioniere, verkauften selbst gezogenes Gemüse und wurden ob ihrer Abkehr von Kunstdünger und Co. zu Spinnern erklärt. Die "Spinner" wurden mehr und mehr, die Branche blieb klein. Der Bioboom kam mit den Großen. Rewe, Hofer, Aldi und andere teilen sich heute den Biomarkt auf. Die Pioniere sind immer noch da, in ihren Nischen. Dazu kommen immer mehr Quereinsteiger und gut Ausgebildete aus der Branche, die mit Idealismus und Geschäftssinn an die Sache herangehen. Und zuletzt sind auch Menschen aus der Kommunikationsbeanche dabei, die ihre Produktentwicklung mit der Verpackung beginnen.


nine to five- Designerin Sandra Schnittkowski
Mit Design, Qualität und Kundennähe punkten 
Wer heute mit Bioprodukten wie auch mit Eco Design punkten will, braucht neben der guten Aufmachung, der schönen Geschichte, dem attraktiven Auftritt DAS Produkt, das unsere Welt besser und schöner macht. Ich persönlich sehe die einzige Möglichkeit für Labels, die nicht mit den Großen mithalten können und wollen(!), in ihrem Alleinstellungsmerkmal. Und an dezentrale Versorgung von mittelgroßen Unternehmen.

Ich denke jetzt noch mit Freude an die wunderschön designten wie auch verarbeiteten Schuhe vom Hamburger Label nine to five zurück, das sich auf der Premium präsentierte. Die Schuhe, die nicht unter 300 Euro zu haben sind, lösen selbst in mir das Gefühl aus, gerne monatelang Geld auf die Seite zu legen und sie dann zu kaufen. Weil sie Schuhe fürs Leben sind. Hochwertig, langlebig, mit persönlicher Note, einer schönen Geschichte dahinter und Nähe zur Kundin. Lieblingsstücke, die man sich fürs Leben kauft, nicht nur für eine Saison. Die Großen werden vermutlich einst die Masse bedienen und dazu noch grüne Unternehmen, für die Lieblingsstücke sind die kleinen feinen Modelabels zuständig.
Sehnsucht geliebt zu werden, Sehnsucht etwas Besonderes zu sein
Wir Menschen sehnen uns- wie schon Jahrtausende zuvor- danach, wertgeschätzt, beachtet und geliebt zu werden. Es ist schwierig, wenn man dies über Konsum befriedigen will. Wir haben nach den letzten Jahrzehnten der Konsumgüter-Welle vielleicht eins erkannt: Dass Shoppen nicht glücklich macht. Und schon gar nicht, wenn es sich um schnell produzierte, schnell gekaufte billige Stücke handelt. Nicht nur, dass sie durch entsetzliches Leid zustandekommen, lassen sie uns auch spüren, dass wir ebenso wertlos sind wie die Stücke selbst. Massenmode für Massenmenschen ohne Persönlichkeit.

Die Alternative dazu ist für mich ein bewußtes Leben mit Selbermachen, mit wenigen liebevoll ausgesuchten Eco- Stücken/Produkten, der Reichtum persönlicher Beziehungen, Engagement für die Gemeinschaft und ein Leben mit der Natur. Wenn ich mir schon etwas kaufe, dann will ich etwas Besonderes. So besonders wie ich. So besonders wie Du.




Kommentare

christoph dahn hat gesagt…
Hallo Frau Jona+Son sehr schöner Artikel dem ich teilweise zustimme. Die große Frage ist warum du die Schuhe für 300€ nicht gekauft hast, und wenn nicht warum ?
christoph dahn hat gesagt…
Schöner Artikel und ein interssantes Thema.
Hast dun den die Schuhe für 300€ schliesslich gekauft ?
Fr.Jona&son hat gesagt…
Lieber Christoph, danke für deinen Kommentar- ich werde es mir gut überlegen, ob ich genau diese wunderschönen Schuhe brauche und ob ich sie wirklich für mein weiteres Leben gerne tragen werde. Und dann heißt es das nächste halbe Jahr sparen- mein Geldreichtum ist sehr begrenzt. :-)

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