Ethical Fashion Show Berlin- Highlights

Die Ethical Fashion Show, die einst in Paris ihren Anfang nahm und von der Messe Frankfurt nach Berlin geholt wurde, war ein Ziel meiner heurigen Berlinreise. Location: Postbahnhof am Ostbahnhof. Mein Fokus lag auf der Suche nach neuen Labels und denen, die wir in SONIS Laden anbieten können.

Recolution
Label Nummer 1, gleich beim Eingang links, ist Recolution aus Hamburg. Die beiden jungen Herren- Jan und Robert- hinter dem Label bieten auch für nächstes Jahr eine solide Kollektion aus bewährten Hoodies, Sweatern und Stoffteilen (Hosen, Röcke, Blusen). Diese, in dünnem Jeansstoff gehalten, sind zahlreicher geworden und lockern die Kollektion auf. Bei den Oberteilen ist mir ein Mix aus schwarzem Rumpf und mit hellen Farbklecksen bedruckten Ärmeln aufgefallen. Hier hätte mir ein komplett bedruckter Sweater sehr gut gefallen. Allen, die nach Kapuzenpullovern und ähnlichem Ausschau halten, empfehle ich diese bei ihnen zu kaufen, weil sowohl Stoffqualität wie auch Verarbeitung die besten sind, die mir in den letzten Saisonen begegnet sind. Die Farbwelt kreist weiterhin um Blau, Grau, Schwarz. Gibts übrigens auch in unserem Laden. Update: Ist mir heute(22.7.) noch eingefallen: so manches Teil der Kollektion, etwa der dünne Sweater in Kurzarm wie auf dem ersten Bild rechts zu sehen, lässt sich mit schmalem Rock auch damenhafter stylen.


Weiter ging es zu Matthias Hebeler von Brainshirt, den man getrost als Pionier des ökofairen Baumwollhemdes bezeichnen kann. Seine Hemden sind nach wie vor sein Verkaufsschlager, obwohl es zum Hemd schon längst auch vegane Sakkos gibt sowie Anzüge aus hochwertiger Baumwolle, aus Vieböck-Leinen aus dem Mühlviertel und mehr. Großen Erfolg feiert Brainshirt auch mit seinen Jeans und Cordhosen, die wohl bei vielen Männern für Aufatmen gesorgt haben. Denn nun können sie neben dem Hemd auch gleich die passenden Hosen einkaufen. Die Schnittführung und Ästhetik der Kollektion zielt auf 45+ ab, würde ich sagen. 



Das Team Lebenskleidung:  credit INNATEX und Nina Pieroth
Nach dem netten Plausch mit Matthias ging es weiter zu Lebenskleidung. Das Team, das einst mit vier Gründern begann, mit der Mission, die Modewelt fairer zu machen, zählt jetzt sechs Damen und Herren, die sich dem Vertrieb von ökologisch korrekten und fair produzierten Baumwoll- und Seidenstoffen spezialisiert haben. Daneben werden auf Auftrag in Indien und in der Türkei zertifizierte Modekollektionen gefertigt. Ihre Stoffe können bequem online bestellt werden, man bietet Sammelbestellungen an, um auch kleinen Labels die Möglichkeit auf günstige Stoffpreise in kleineren Mengen zu ermöglichen. Bei Lebenskleidung durfte ich meinen schweren Rucksack verstecken und konnte nun erleichtert mit Kamera und Notizbuch weiter marschieren. 


Veronika von Colorio Organics

Nach wenigen Metern stieß ich auf das slowakische Label Colorio Organics, das aus Biostoffen knappe Slips für Mädels macht. Appetitlich als Cupcakes in Etageren angerichtet, lachten mich einige Stoffe an, die ich aus dem Biostoffladen kenne. Die Idee ist bestechend. Man nehme schöne Biojerseystoffe und fertige Pants und (bald im Programm) Leibchen daraus. Dies ist natürlich für Selbermacherinnen eine einfache Sache, alle anderen kaufen diese bei Veronika Pechova. Übrigens möchte Veronika auch höher geschnittene Pants anbieten.

die poppig bunte Mischung von liv:ra

Schuhe aus Kimonos
Wenige Meter weiter traf ich auf liv:ra aus Japan, das erstmals hier ausstellte. Eine erfreuliche Mischung aus Punkten, Mustern, kleinen Formen, mädchenhaftem Look und Schühchen aus Kimonostoffen. Herrlich. Ich hoffe sehr, daß Labels wie diese in Europa punkten, denn dieses hat wie wenige Labels auf der Messe auch die Mischung aus Verspieltheit, Humor, Girl Style und jungem städtischem  Flair in die Messe gebracht.




credit Re Verdir
Gleich daneben Re Verdir aus Korea, das gebrauchtes Leder zu Herren- und Damentaschen ziemlich stilvoll upcycelt. Dazu ein Bild aus dem Web.



Inheels
inheels, ein Label aus Tokyo und London gleichermaßen bot eine Mischung aus Biobaumwollkleidern, fließenden Tencelmodellen, bedruckten Bambusschals und feinen Schmuck aus kambodschanischen Landminen. Mir haben es die Tencel-Kleider angetan, die eine schlichte und gleichzeitig raffinierte Schnittführung zeigten. Diese werde ich wohl Freundin Petra von Sonis Laden vorstellen. 


Ein Label, dessen Karte ich mir eingesteckt habe, ohne mit den Damen und Herren am Stand zu sprechen, ist Jersey Company aus Portugal. Hier fand ich solide, hochwertige Shirts in diversen Farben, Färbungen und Formen.

Saint Basic
Saint Basic aus den Niederlanden zeigte Biounterwäsche in sanften Farben und retro angehauchten, grafischen Mustern, die mir sehr gut gefallen hat. Neben der Basic- Biobaumwolllinie in Schwarz und Weiß gibt es ab kommendem Jahr auch Tencelunterwäsche- Herrenshorts, Damenslips und Oberteile- zu kaufen. Hier ist der Vertreter so nett, ein Modell für mich hochzuhalten.


Studio Jux

Studio Jux ist wieder eine schöne Kollektion gelungen, die tragbar und schick zugleich ist. Kleine Oberflächengestaltungen wie ein Farbverlauf oder die Verwendung von Hanffaser mit Baumwolle
(die an der Oberfläche kleine Knötchen bildet) gemischt, lockert die klare Kollektion auf. Schön an diesem Label ist, daß für Damen wie Herren gleichermaßen schöne Modelle entworfen werden. Wenn ich den Stil von Studio Jux (das fair in Nepal produziert) beschreiben müßte, würde ich Zurückhaltung, Entspanntheit und Chic in einem nennen. Kleidung, die schon seit Anbeginn mit innovativen Materialien gearbeitet und sich nicht auf Biobaumwolle verlassen hat. 


bleed
bleed aus Deutschland leben einen aktiven Sportgeist und dieser zeigt sich auch in der Kollektion. Entspannt, lässig und bequem geht es auch im nächsten Sommer weiter. Die Kombination aus witzigem Druck(Kakteen) und einfarbigem Stoff bleibt. Hübsch etwa die T-Shirts mit bedruckter Brusttasche. Die Farben sind ruhig und sehen für mich nach einem zu Ende gehenden Sommertag aus, an dem man noch am Strand sitzt und den Wellen beim Ankommen zusieht. Die News schlechthin: Mithilfe von Crowdfunding, das übrigens ein voller Erfolg wurde, möchte man eine kleine Kollektion aus Jacken, und Accessoires aus Kork fabrizieren! Am Stand war die Damenkorkjacke zu sehen, leider kam ich genau in dem Moment zum Stand, als bleed vom österreichischen Fernsehen belagert wurde und ich wenig später darauf vergaß, sie zu befühlen und zu begutachten. Ob bleed bei der nächsten Fashion Week noch hier ausstellt oder doch bei der SEEK, wie ich mir vorstellen könnte....?

Halle 2

Weiter ging es nun in die nächste Halle, die sich einige Labels der Ethical Fashion Show mit den Labels des Green Showroom teilten. Harold´s vegetabil gegerbte Ledertaschen habe ich mir nicht näher angesehen, weil wir diese ohnehin im Laden erfolgreich führen. Diese Marke bietet Traumtaschen, ganz einfach gesagt. Damen- und Herrentaschen, Weekender, Rucksäcke, Geldbörsen und mehr. Ebenso ergeht es mir mit dem italienischen Jeanslabel Goodsociety, das sehr schöne Jeans fertigt. Raw, mit Waschung und in verschiedenen Formen. Gerade die schlanken Modelle in Raw- also keiner Waschung sondern in dunklem Blau- sind die perfekten "schönen" Jeans, die man auch elegant stylen kann. Auch diese führen wir im Laden und sind zufrieden. Yaya aus Deutschland, das Label der Yogalehrerin Julia Mehedintu, bietet Yogamode in sanften Farben, genäht wird in Nepal. Schön ist, daß die Teile eine Mischung aus sportlich und Alltag sind und die Oberteile oft gedoppelt sind im Vorderteil, was sehr hochwertig aussieht. Auch diese führen wir im Laden, weil uns das Gesamtpaket aus Stoffqualität, Verarbeitung, Form und Aussehen gut gefällt.

credit Aluc
Aluc aus Berlin ist seit Jahren dabei und präsentiert Hemden-Upcycling. Nicht in die Richtung schräge Schnitte, Hemden auf links gedreht, Hemd zu Rock, nein, hier finden sich klassisch schmal geschnittene Hemden, die sehr intelligent und stilvoll aus alten Hemden zusammengesetzt sind. Für jene, die Upcycling und Stil gleichermaßen lieben.


Mila Moisio von Tauko
Weiter aufgefallen ist mir das finnische Label Tauko. Dieses Label bietet Redesign mit finnischem Humor an- aus der Wäsche aus Krankenhäusern und der Gastronomie wird neue Kleidung. Vom Schnitt her humorvoll, vom Style interessant, in klaren Streifen und kräftigen Farben. Definitiv mein Liebling- die grafische Gestaltung der Herstellungsgeschichte und die Tote Bag. Davon würde ich mir mehr wünschen. Zurück zur Wäsche: Diese wird gewaschen, gefärbt und zu Kleidungsstücken verarbeitet. Und soweit ich Designerin Mila Moisio verstanden habe, denkt sie an ein Vor-Ort-Produzieren. Etwa, wenn es Abnehmer in Deutschland gibt, soll deutsche Wäsche verarbeitet werden.

Verpflegung im Hof
Fazit:
Alles in allem war ich recht zufrieden mit dieser Messe, die sich entspannt und ein wenig abgerockt gibt, was das Ambiente betrifft, auch mit der Ausbeute für den Laden. Gefehlt haben mir allerdings doch einige Produkte wie schöne Schuhe, Marke Veja oder ekn footwear, die zur hochgelobten SEEK weitergezogen sind und dort ausstellen. Und dies scheint ein wenig der Tenor zu sein: Wenn Du Dir keinen großen Auftritt leisten kannst, stellst Du bei der Ethical Fashion Show aus. Verkauft wird aber woanders mehr, das habe ich mehr als einmal gehört.

Wenn ich mir so im Nachhinein die Ausstellerliste ansehe, merke ich, daß ich doch an Labels vorbeigegangen bin, an denen, die interessant hätten sein können, wie VATTER oder Jay ´n June.

Schmerzlich vermisst habe ich das junge Label Nurmi aus Finnland. Wie mir Mila Moisio erzählt hat, arbeitet Nurmi gerade an einer Umstrukturierung.....

Interessant, daß auch der Österreichische Rundfunk mit einem Team durchmarschiert ist und DesignerInnen interviewt hat. Besonders gefallen hat ihnen wohl der raubeinige, hochgewachsene Andy von bleed:" Da, nimm den, der ist doch ein Typ!" Ob das die Art des ORF war, Labels auszuwählen?











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