Grüne Mode in Berlin- Rückblick Fashion Week

Gemeinsam mit Freundin Petra von SONIS LADEN fuhr ich letzte Woche nach Berlin, um neue Stücke für den Laden zu entdecken. Unser Start war die wohl wichtigste grüne Modemesse, die Ethical Fashion Show im Postbahnhof. 

Die Messe, die einst in Paris ihren Anfang nahm und von der Messe Frankfurt nach Berlin geholt wurde, hat sich als die grüne Modemesse in Berlin etabliert. Dass der luxuriösere Green Showroom, der einst im Hotel Adlon beheimatet, nun ohne räumliche Trennung sanft ineinanderlaufend ebenfalls im Postbahnhof platziert ist, kann ein Indiz sein, daß diese Messe in die Ethical übergehen wird, quasi als Luxus-Part derselben. Ich habe doch einige Stimmen vernommen, die sich dafür ausgesprochen haben. Nun zu den Labels beider Messen, die mir besonders gut gefallen haben, ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ich kann auch einige übersehen haben...
helle Farbpalette bei Studio Jux
Wir starteten unseren Besuch bei Studio Jux, einem Label, das wir seit letztem Jahr erfolgreich im Laden verkaufen. Und dort blieben wir ziemlich lange, weil uns die Mischung aus zarten Stoffen, grobem Handstrick, hellen, sanften Farben und dunklen Tönen ausnehmend gut gefallen hat. Ihre Farbstimmung ist immer sanft, hell und leicht. Ich finde dies sehr wichtig, gerade in unseren Breiten, wo generell im Zweifelsfall zu dunklen Farben gegriffen wird anstatt sich mit hellen Farben eine "leichtere" und freundliche Garderobe aufzubauen.Erwachsene Schnitte, keine überflüssigen Details.

Gleich daneben mein Lieblingslabel und das schon seit vielen Jahren: Elsien Gringhuis, ebenfalls aus den Niederlanden. Perfekt geschnittene Blousons aus hochwertigem Loden, Mäntel aus Gottstein-Walk, tiefes Dunkelblau, Walk-Pullover, schmal und kurz geschnitten, eine schmale Hose aus Walk und Stretch. Wolken-Print. Konstruierte Schnittformen, klare Aussage. Wollweiß, Grau, Mittelblau, Nachtblau. Das, was sie macht, hat Bestand über viele Jahre hinweg, sie hat eine innovative Designhandschrift...und wäre vermutlich bei einer gesamt innovativeren Messe mit mehr Einkäufern besser aufgehoben. Premium?
Reet Aus

Reet Aus und Petra
Ein weiteres wichtiges Highlight für mich ist ebenfalls schon sehr lange die Designerin Reet Aus aus Estland. Humorvolle Applikationen mit Wolken und Pfeilen, zusammengestückelt aus Stoffresten. Baumwolle, Seide. Oberteile, T-Shirts, Kleider und mehr. Gut verarbeitet, aus Resten der Textilindustrie hergestellt. Dieses Label macht einfach wunderbares Upcycling und ist- denke ich- das erste, das den Schritt von der Werkstätte in die Textilfirma gewagt und Upcycling in großem Stil auf die Beine gestellt hat. Sie arbeitet mit Bangladeshs größter Bekleidungsfirma zusammen, deren Stoffabfälle(größtenteils nicht bio) sie für ihre Kollektion nutzt(mehr dazu hier).


Das sympathische Paar von myssy und Petra von Sonis Laden
Im Erdgeschoss eine Neuentdeckung: myssy aus Finnland. Wenn es den Preis für das sympathischste und kultigste Paar der Messe zu vergeben hätte, würde ich ihn diesem Paar überreichen. link zu ihrer Geschichte. Beide mit Retrobrillen, er sympathisch mit dem Strickzeug in der Hand und handgestrickter Krawatte, stellten sie mir ihr Label vor. Ihre Hauben, Loops, Krawatten, naturfarben oder pflanzengefärbt, werden von älteren Damen gestrickt. Sie bewirtschaften einen Biobauernhof, woraus sich ein angeregtes Gespräch entwickelte, denn ich bin ja auch so eine :-) Als ich mir ihre Homepage näher ansah, hat sich eine Welt aufgetan. So ist Janne einer der besten Windsurfer Europas gewesen, bevor er zu stricken begann, bitte nachlesen, ist wirklich interessant.

Danach ging es zu Saint Basic aus den Niederlanden mit schöner Unterwäsche aus Tencel, in sanften Mint/Grau/Blautönen mit grafischem Retromuster. Diese wird sich sicher in Sonis Laden finden. 

Harold´s, das in Südamerika produzieren lässt und pflanzlich gegerbtes Leder verwendet, bietet eine gute Auswahl an Taschen, von kleinen Börsen bis zu klassischen Reisetaschen.Ebenfalls Teil unseres Sortiments.

Prakash von Cocccon, mit Wollschal
Erwähnen möchte ich noch die großen Webschals aus Wolle, die Seidenschals mit Blockprint von Cocccon. Labelgründer Prakash bot uns eine traditionelle indische Nascherei an, aus Mandeln, Zucker und Kardamom, sehr delikat und süchtig machend. 

Gleich daneben haben mich die traditionell gefertigten Schals und Quilts in Shiboritechnik von Living Blue begeistert, einem Unternehmen aus Bangladesh, in traumhaften Indigotönen. Das hat mich doch sehr an meine Kunstunizeit erinnert, wo ich mich selbst im Shibori versucht habe.
Shibori und Quilt bei Living Blue
Weitere Highlights:
--Immer wieder schön ist die Schuhkollektion von nine to five aus Hamburg. Wermutstropfen sind die schmalen Formen, die eher für zierliche Füße gedacht sind. Emma Peel hätte hier ihre wahre Freude gehabt und Coco Chanel auch, wenn ich bestimmte Farbkombis wie zartrosa und Schwarz denke.

--deepmello gleich daneben, bekannt durch sein Rhabarberleder (mit Extrakten aus der Rhabarberwurzel gegerbtes Leder) mit einer soliden Kollektion aus Accessoires, Taschen und Kleidung. Lieblingsfarbe Schwarz.
--Wer klassisch schmale Hemden ohne Schnickschnack sucht, ist bei der Schweizer Firma Carpasus gut aufgehoben.

Modenschau
Danach begab ich mich zur Modenschau der Ethical (die Green Showroom Show habe ich leider verpasst, aber man kann sie hier nachsehen), die ich stehend bei den Fotografen verbrachte. Einen Sitzplatz hätte ich ohnehin nicht bekommen. Und ich hatte denselben Traum wie im letzten Jahr: ich würde mir eine Schau der Inspiration wünschen, das Zeigen neuer Talente, die Vielfalt von zeitgenössischem Eco Design, Vision, Grenzüberschreitendes. Ein Magnet der Berlin Fashion Week, an dem man nicht vorbeikann als Redakteurin, als Byer, als Meinungsbildner. Meiner Meinung nach könnte die Messe Frankfurt hier ein gutes Werk tun, wenn sie Lobbying betreibt und Interesse weckt für einen Modebereich, der mit wenigen Prozent Marktanteil am gesamten Modekuchen der Welt eine beinahe nicht vorhandene Nische darstellt. Es würde absolut Sinn machen, der Welt da draußen zu zeigen, daß es mehr gibt in der Eco-Welt als den hundertsten Hoodie, das tausendste Jerseykleid, die Yogahose, die vorne offene Hüllenjacke....definitiv mehr.

Bin ich idealistisch, wenn ich mir das wünsche? Ich wünsche mir, daß man das Thema Eco Fashion nicht einfach dem Markt und seinen Regeln überlässt, gerade wenn Eco einen Bruchteil des Gesamtmarktes darstellt und es eigentlich anders sein sollte. Eco sollte nicht nur mit dem Gewissen punkten sondern mit Schönheit und Innovation. Und das gehört gefördert.

Fazit: einige wunderbare Highlights von Labels, die ich seit Jahren kenne, wie immer viel zu viele Basics, dazu gute Labels, die ein klassisches Grundsortiment anbieten und solide Unternehmen, die über Jahre hinweg hochwertige Kleidung und Schuhe bieten. Manches könnte einen kreativen Schubs vertragen, Innovation ist leider Mangelware, aber etliches würde ich vom Fleck weg in meinen Schrank hineinkaufen: bitte 3 Mal Gringhuis, dazu KLeid und Oberteil von Reet Aus, eine kleine Harolds-Umhängetasche, einen breiten Gürtel von deepmello, dazu Studio Jux und Unterwäsche von Saint Basic, einen großen Wollschal von Cocoon, nine to five-Schuhe....wenn ich das nötige Geld hätte bzw eine Shoppingtante wäre. Interessieren würde mich, wie hoch der Anteil an konventionellen Einkäufern ist, die sich hierher verirren, ich hoffe, daß sie es tun.

Übrigens- Petra und ich haben auch die trendige SEEK besucht, um dort einige Eco Labels zu besuchen, die sich bewußt dort positionieren, mit Style und mit großem Abstand zum ökofaren Image. Dieser Besuch der besonderen Art wird ein weiterer Artikel werden :-)














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