SEEK- wer suchet, findet auch dort Eco Labels

Fashion Week, Teil 2: SEEK....Gleich zu Beginn wird man mit wummernden Bässen begrüßt, das Publikum vereint Hipster mit unterschiedlich gestylten Modemenschen. Das Catering bietet Käsespätzle, lässige Möbel locken zum Ausrasten und Handy-Spielen ein.....

Was tut man auf einer Messe, die den Aspekt der Produktion fast zur Gänze ausklammert? Ich schlenderte durch die Gänge und es erinnerte mich an den Besuch eines Lebensmittelgeschäftes, in dem man mit Tunnelblick die bio- und regionalen Lebensmittel sucht und den großen Rest ignoriert. Da die wenigen Eco Labels nicht extra markiert waren, mußte ich genauer hinsehen. 

Gemütliche Sitzpyramide
Ich habe mich nicht zurückhalten können und einige Labels, die rein vom Design her wirklich ansprechende und optisch länger gültige Produkte angeboten haben, gefragt, wo und wie ihre Waren produziert werden. Und ob das Leder vegetabil gegerbt ist? Da wird einem mit einem Lächeln in die Augen gesehen und cool geantwortet. Und dann ein sanftes Augen-Rollen, den Kollegen leise fragen...."ob es hier auf der Messe etwas in Öko gibt", so als ob es sich um einen eigenen Fachbereich handelt, eine eigene Nische, so wie Leder oder Stoff, Blau oder Grün. Für diese Frau von einem anderen Stern, die Ökotante. Ich war in einem hippen Paralleluniversum gelandet. Naja, ich wollte es ja wissen. Wie man diese Spannung aushalten kann, ein zwar schönes Produkt in Händen zu halten, aber so gar keine Ahnung haben zu wollen, wie es produziert worden ist, ist wirklich interessant. Nach einigen Labels hatte ich genug von meinen provokanten Fragen und den entsprechenden Reaktionen und versuchte herauszufinden, ob es nicht doch einige "ordentlich" produzierende Labels gäbe. Und- es gab sie!

Gleich zu Beginn ist mir eine japanische Denimfirma aufgefallen, AIZOME1, von der ich noch nie gehört habe. Ein Unternehmen, das zur Gänze in Japan produziert, das Land, wo Textilkunst tief in der Tradition verwurzelt ist. Indigo und Denim treffen hier mit umweltfreundlichen Mitteln aufeinander. Wer weiß, wie sehr ich Indigo und Materialgestaltung liebe, weiß, daß dies definitiv Glücksgefühle ausgelöst hat, endlich wieder etwas in dieser Richtung auf einer Messe zu sehen.

ekn Footwear
ekn Footwear von Noel Klein-Reesink. Ein Mann, der seit vielen Jahren ein wichtiger Teil der Eco Design Szene Deutschlands ist und ein Schuhlabel aufgebaut hat. Produziert wird in Portugal, der Fokus liegt auf Herrenschuhen, die von der Form her cool und schön sind, daß ich nicht verstehen kann, wie man hier auf die Damen vergessen kann und nicht schon ab Größe 39 produziert. Für Damen gibt es einen zierlichen Schnürstiefel in Veloursleder und einen ebenso zierlichen Boot     (der Herr links im Bild hält beide in der Hand). Architektonisch anmutende Unisexschuhe in einer grau-schwarzen Farbkombination sind die Eyecatcher auf dem Stand, die auch von einem japanischen Designer kommen könnten. Diese wirken bequem, speziell aber nicht zu extravagant. Weiters Sportschuhe mit Neopren. Im Webshop finden sich auch schöne Laufschuhe, die mir am Stand nicht aufgefallen sind. Noel hat es geschafft, eine Reihe an Schuhen zu schaffen, die klassisch, langlebig, modern und innovativ in einem wirken. Definitive Haben-Müssen-Schuhe.




Das zweite Schuhlabel ist Veja aus Frankreich mit zahlreichen Sneakers. Das allerdings einen herben Rückschlag hinnehmen mußte und nun nicht mehr als reine Eco Schuhfirma firmieren kann. So mußte die Firma aufgrund zu geringer Nachfrage einen Schritt zurück machen, so wurde es mir erklärt, und begann wieder Schuhe mit chromgegerbtem Leder zu machen, die korrekte Bezeichnung lautet "low chrome".Vegane Sneakers finden sich auch bei ihnen, da spielt das Thema Leder dann keine Rolle. Die Sohlen sind aus Gummi, das Innenleben der Schuhe aus Biobaumwolle.

Das schwedische Label KAVAT mit seinen klassisch soliden Boots und Schnürschuhen ist ebenfalls auf dieser Messe und passt perfekt zur SEEK, die zwar eine klassische Trendmesse mit konventionellen Anbietern ist aber doch- oder kam es mir nur so vor- recht solide wirkte. Kein Fast Fashion sondern schön gearbeitete Produkte. Für die ordentlichen Hipster, die gerne Craft Bier trinken. Da kann man zur guten Jeans dann auch einen soliden Eco Schuh anziehen.:-)



Weiter ging es zu Nudies, einer der beliebtesten Eco Jeansmarken, wie ich in Gesprächen festgestellt habe. Große Auswahl an Schnitten und Waschungen plus Oberbekleidung.

Eine Entdeckung der österreichischen Art: die vegane Naturkosmetikmarke Be (...)my friend aus Salzburg. Klein, fein, mit hochwertigen, pflanzlichen, nahezu medizinischen Produkten für eine gesunde Haut. Die Neurodermitis der Labelgründerin war ausschlaggebend für ihre Beschäftigung mit natürlicher Hautpflege. Daraus hat sich ein kleines Unternehmen entwickelt, das Peelingsalz, Duschgels, Bartshampoo und andere Produkte anbietet, die in sich multifunktional sind. Die Preise sind eher hoch angesetzt. Die Verpackung ähnelt L:A Bruket und ist somit sehr schön.
Ja, das war´s von mir und meinem ersten Besuch bei der Seek. Klar ist, daß die Eco Schuhlabels hier am richtigen Platz sind. Denn hier spielt die Musik. Das eine oder andere Label werde ich hier vergessen haben, Knowledge Cotton Apparel etwa, die mit einem der größten Stände aufgewartet haben und vermutlich noch einige mehr. Bye bye aus der wummernden Halle und bis bald im Juli.





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