Fashion Revolution Week - Abkehr von den vollen Tüten

Lebenskleidung
Fashion Revolution.Org
Diese Woche ist Fashion Revolution Week, eine globale Aktionswoche, die im Gedenken an die unschönen Realität in der Textilindustrie und im Besonderen nach dem Unglück von Rana Plaza gestartet  wurde. Eine Woche, die die Aufmerksamkeit auf einen Bereich richten soll, der von den meisten Menschen mit einem Achselzucken abgetan wird, auf die Herstellungsgeschichte von konventioneller Kleidung und somit auf mehr als 90 Prozent der global produzierten Kleidung. Ich möchte mich ebenfalls an dieser Aktion beteiligen, aber weniger im Herunterbeten von Modelabels, die "eco und fair" sind. Dazu gibt es Modeführer, Geschäfte und Onlinequellen, genügend Modeblogs und mehr. 
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Ich schreibe hier einige Gedanken auf, die mich, je länger ich Teil der grünen Mode- und Lebensstilszene bin, immer nervöser und ungeduldiger machen. Denn ich habe nicht das Gefühl, daß die Bewegung hin zu einem achtsameren Umgang mit Ressourcen schnell genug vorangeht. Schleichend würde es eher treffen. Reportagen und Beobachtungen aus dem Alltag belegen es immer wieder. Wir fühlen uns schon öko, wenn wir ein Biojoghurt kaufen, mal das Eco Shirt kaufen und das 5Euro- Shirt liegen lassen. Um im nächsten Moment doch einen größeren Einkauf beim Schweden oder ähnlichen Unternehmen zu tätigen, weil es schnell gehen muß, weil sie gerade die schöne Bluse haben und überhaupt.


Im Regelfall bestimmt der Preis,
warum es doch in die günstigen Läden und nicht in den Eco Laden geht. So schön kann dieser Laden gar nicht sein, daß nicht irgendwo im Hinterkopf eine warnende Stimme vor dem Nepp im "Ökoladen" bewahren will. Wenn man sich im Lauf der Zeit an die kellertiefen Preise gewöhnt hat, fällt es ungeheuer schwer, wieder realistischere Preise zu bezahlen. Man sollte immer bedenken, daß die Herstellung von Kleidung viele Arbeitsschritte erfordert, bevor sie im Laden hängt und daß wir immer noch von Löhnen sprechen, die arme Menschen nicht noch ärmer werden lassen. Und nicht mehr.
Modenschaufinale Ethical Fashion Show, Januar 2016


Grüne Mode ist teuer und langweilig. 
Mittlerweile kann ich unreflektierte Aussagen wie diese nicht mehr hören, denn sie spiegeln zwei Dinge wider: 1. eine grundsätzlich negative Einstellung zur einzig richtigen Produktionsweise, weil alleine ihre Existenz beweist, daß es auch anders geht. Diese "richtig gemachte" Kleidung schafft ein schlechtes Gewissen und maßt sich an, das Kaufverhalten vieler Menschen in Frage zu stellen. Und wenn man sich dazu entschlossen hat, etwas schlecht zu finden, macht man es auch schlecht. Dass es für jeden Geschmack und Anlass mittlerweile Kleidung gibt, von kleinen Designerlabels bis zu großen, geschenkt. Hier agiert man als LobbyistIn für grüne Mode, egal ob als Bloggerin, Organisation, ShopbesitzerIn oder Magazin eindeutig gegen eine Emotion, der mit Argumenten und Fakten nicht beizukommen ist.
Quelle: MDR www.sputnik.de

Liebgewonnenes Konsumverhalten
Denn dem Ganzen steht ein erlerntes und liebgewonnenes Konsumverhalten entgegen, das Tüten voll Kleidung meint und nicht das eine besondere Stück. Dieses Konsumverhalten auf öko und fair anzuwenden ist unleistbar und utopisch, das ist logisch. "Grüne Mode ist viel zu teuer, das kann ich mir nicht leisten". Ja, natürlich kann man sich das so nicht mehr leisten, man sollte auch nicht. Man muß keine ganzen Outfits shoppen. Man muß sich auch nicht komplett "ökofair" einkleiden, um ethical correct angezogen zu sein. Es mag zwar raffinierter und weniger offensichtlich shoppingausgerichtet sein, doch im Grunde bleibt es intensives Shopping, das die globalen Ressourcen belastet. Wo auch immer der Drang herkommt, sich grundsätzlich neue Stücke zu kaufen, er ist gut angelernt und kann verlernt werden, wenn wir in gut gemachten Kleidungsstücken wertbeständige Produkte sehen. Auch wenn sie schon getragen wurden.


Kleidung war schon immer ein wertvolles Gut
vom Wachsen und Werden des Materials bis zum Versäubern des fertigen Stücks. Kleidung kann erst dann wieder zu einer realistischen Größe werden, wenn wir sie nicht mehr als schnelles Produkt für kurze Zeit sehen sondern als DAS Stück, das uns die nächsten Jahre begleiten wird. Weil es genau das Teil ist, das in unserer Garderobe gefehlt hat. Weil es genau das Teil ist, das unsere Garderobe neu belebt. Weil es uns ein gutes Gefühl gibt. Weil es wichtig ist. 



Bewußt ergänzen statt Kaufrausch
Überlegt einmal, wieviel wichtige Teile ihr im Schrank habt und wieviel davon beliebige Varianten sind, die kurzlebige Launen abbilden und nicht mehr. Wer kennt denn nicht diesen "Muss ich haben-Drang", der jegliche Vernunft aushebelt? Wer lernt, Neuanschaffungen bewußt zur Verbesserung der vorhandenen Garderobe zu kaufen, hat sein Budget im Griff und kann sich endlich auch die schönen, langlebigen Teile leisten, die bisher jeden Rahmen gesprengt hätten. Und dann können wir ja noch über Secondhandmode, Selbernähen, Redesign und Kleidertausch sprechen, die den eigenen Fundus beleben. Aber das ist eine andere Geschichte. Und- Glücksgefühle lassen sich auch abseits der Jagd nach Kleidung erleben.Zum Schluß ein wahrer Spruch, den ich einmal aufgeschnappt habe: "Das grünste T-Shirt ist das, das ich nicht kaufe."



LESETIPPS!
Eine interessante Bloggerin, die viel selbst macht und repariert, die diese Aktionswoche ebenfalls zum Anlass genommen hat, über ihren Lebensstil zu schreiben, ist Widerstand ist zweckmäßig

Eine weitere Bloggerin, die genau in dieser Aktionswoche auf den Aspekt des Selbernähens eingeht, ist Flashback Summer. Den Aspekt werde ich auch noch aufgreifen.

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