Stilberatung oder Ich bin ich und das ist gut so

Wer Stilratgeber oder Stil-Specials in Modemagazinen liest, gewinnt den Eindruck, eine große
Baustelle zu sein. Oberweiten, Rundungen und Beinlängen, Haarlängen, die Lebensjahre scheinen verbesserungswürdig. Sie entscheiden, wie weit man sich stilistisch aus dem Fenster lehnen darf, oder nicht. Really? Einige Gedanken dazu.

Simple Chic. Quelle
Ich bin mit dem Wunsch an meine Ausbildung zur Stilberaterin angetreten, dies alles anders zu machen. Jeder Mensch ist insgesamt zu betrachten und nicht in einzelnen Körperpartien. Und darüber hinaus Mut zu machen zu neuen Styles, mehr Farben, Mustern und Freude am Styling. Nach der intensiven Beschäftigung mit dem Thema Körperproportion, Ausdruck, Persönlichkeit und einigen Modulen sehe ich die Sache differenzierter, was die Arbeit mit dem menschlichen Körper betrifft- weil ich gesehen habe, daß ein wenig Tuning doch Wunder wirken kann. Wir sind alle, so wie wir sind, in Ordnung und wir brauchen keine Optimierung, um besser zu sein, jemand anders zu werden. Darum geht es nicht. Mit einer Feinabstimmung und subtilen Modifikation allerdings lässt sich das Gesamtbild harmonischer und optimaler gestalten, sodass am Ende unsere ureigene Schönheit und Besonderheit klarer hervortritt. Wir werden präsenter, selbstbewußter und strahlender. Ich vergleiche es mit der Sendersuche bei einem Radio. Ich drehe das Rädchen so lange, bis der Sender scharf eingestellt ist. Ich höre und verstehe alles, auch wenn der Sender etwas kracht und knarzt, doch der optimale Eindruck entsteht erst, wenn der Sender haargenau eingestellt ist. 


Schöner Look für Plus Size. via Pinteres/ whiitelist.com

Die richtige Wellenlänge
Stilberatung wie auch Farbberatung bei einer Person sind für mich das Einstellen der richtigen, persönlichen Wellenlänge. Das hat mit dem Feingefühl und Wissen der Stilexpertin zu tun, mit dem System an Proportionen, die zu einem harmonischen Gesamtbild führen. Körperformen, Gesichtsformen werden ebenso studiert wie die Persönlichkeit. Nach der Analyse folgt die Beratung und- et voilá!- es zeigt sich, daß es für jede Körperfom wunderbare Möglichkeiten gibt, diese einzukleiden. Nicht nur subtil sondern auch mit Pfiff und Experimentierfreude.

Frauenkörper- ein schwieriges Thema
Nach ersten Erfahrungen muß ich sagen, daß wir Frauen zum Großteil an Komplexen leiden, die eigentlich nicht nachvollziehbar sind. Wenn eine 36er-Figur ihren Po mit weiten Blusen versteckt, weil er ihr zu groß vorkommt, eine andere verschämt meint, sie hat Zellulitis oder eine andere ihre mangelnde Taille beklagt, dann sehe ich, dass eine Stilberatung schon deswegen ihren Nutzen hat, weil sie den Frauen zeigt, wie schön sie eigentlich sind. Denn- die meisten Menschen haben gute Proportionen, die sich gut in Kleidung verpacken lassen. Und- sollten wir nicht zuallererst unserem eigenen Charakter den nötigen Freiraum lassen als uns in eine zu kleine Hose zu zwängen? Figur ist das eine, doch die wahre Größe unseres Selbst sind unsere Persönlichkeit, unsere Intelligenz, unsere Empathie, unsere Ausstrahlung. Die Körbchengröße ist es nicht.


So sehr ich persönlich mit meiner Figur in den letzten Jahren gehadert habe, erkenne ich jetzt, dass dieselben Komplexe, die ich als 42er-Kleidergröße empfinde, auch von 36er oder 38er-Frauen geteilt werden. Schade um die vergebene Energie in negative Eigenbetrachtungen. Vielleicht ist es auch gut, als Beraterin nicht gertenschlank zu sein, weil man den Damen und Herren gleich einmal die Angst vor Überperfektion nimmt, was meint ihr? Wenn Menschen sehen, daß auch 40er, 42er, und die Größen darüber toll aussehen können, dürfte das auch eine 38er-Größe beruhigen. Dazu ein Lächeln, das von innen kommt.


Du bist Du und das ist gut so. 
Alles Liebe, Frau Jona&son






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