Fashion Revolution Day und Wie wir es richtig machen können

via trustedclothes.com
Heute ist der dritte Fashion Revolution Day, ein Gedenktag, der sich nach dem Unglück in Rana Plaza weltweit etabliert hat. AktivistInnen und grüne Modefirmen machen mit Aktionen und Postings auf den Umstand aufmerksam, dass Mode heute fast zur Gänze auf unfaire und unökologische Weise produziert wird. Ich nutze diesen Tag, um euch auf die tollen Möglichkeiten für schicke Kleidung aufmerksam zu machen, die uns mit wenig Aufwand zur Verfügung stehen.


1. Der eigene Kleiderschrank

Ihr kennt die Zahl, sie ist eindrucksvoll: Wir tragen durchschnittlich nur 20% unserer Kleidung regelmäßig, der Rest ist eine Mischung aus nicht mehr passenden (sowohl figürlich wie auch stilistisch) Stücken in der falschen Farbe, dem falschen Stil, einer ungünstigen Form oder weil das Stück nicht zum Rest der Garderobe passt. Hier liegt das Potenzial für eine positive Veränderung: Einen Teil kann man mit Redesign/Upcycling neues Leben einhauchen, ein Teil kann getauscht/verschenkt werden und ein Teil gespendet, Hauptsache raus aus dem Schrank, denn dann wird der Überblick leichter.Wenn man überlegt, welche Geldsumme in den Ladenhütern steckt, sieht man, dass hier einiges Potenzial für weniger aber hochwertigere Teile steckt.

credit:Redesign, Frau Jona&Son/Christina Diwold

2. Upcycling oder Redesign

Ja dazu gibt es einiges zu sagen! Mein Lebensthema. Das kreative Verändern von Kleidung ist nicht nur was für flippige Kreative, die mit ihren quitschbunten Kreationen ins Auge springen. Upcycling oder Redesign, so wie ich es für mich nenne, kann von kleinen Veränderungen bis zu großartigen, auffälligen Stücken für besondere Anlässe alles bieten. Die einzigen Grenzen setzt die Menge des Stoffes und die Phantasie. Bücher und Workshops zeigen, wie es geht. Meines kennt ihr ja, ich unterteile in vier Levels- von kleinen Manipulationen (Druck, Färben, etc) über schnittechnische Anpassungen (Kragen entfernen, Längen verändern,etc) über Dekonstruktion( Drapieren, zerschneiden und anders zusammensetzen, umdrehen, wenden, etc) bis zu New( dem kompletten Zerschneiden zur Stoffgewinnung). Nachzulesen in meinem Buch ReDesign.Neues nähen aus alten Kleidern, Haupt Verlag.

Aus Shirts mit Motiven lassen sich super Beanies und Schals machen, aus Hemden tolle Blusen.
Ein guter Einstieg in die Materie ist ein Workshop, zB mit mir :-)
Redesign spart wertvolle Ressourcen, macht Freude, weil man mit den eigenen Händen das schaffen kann, was man will und braucht. Und man lernt eine neue Unabhängigkeit kennen. Ich muß mir nicht mehr alles kaufen, nur weil mir der Sinn nach Neuem steht. Ich kann es mir einfach selbst machen, das Neue.


3. Secondhand

Ein Gutteil meiner Garderobe ist Secondhand. Plattformen wie Willhaben sind mein Shoppingcenter. Hier finde ich vieles für mich und die Kinder, von der hochwertigen Handtasche bis zu neuwertigen Sportschuhen für die Kinder. Designerteile kosten nur einen Teil des Verkaufspreises und erfreuen einen mit ihrer Qualität über viele Jahre. In Deutschland gibt es sicherlich ebensolche Plattformen, ihr könnt mir gerne diese nennen, dann baue ich sie in den Artikel ein.
Neben dem klassischen Secondhand vom Secondhandladen, digital und real, Flohmärkten und Tauschabenden mit Freundinnen gibt es noch die Vintagemode, die mit einem Schlag Klasse in die Erscheinung bringt.


4. Grüne Mode

Seit mehr als 10 Jahren ist die grüne Modewelt ein Wachstumsmarkt. Noch bewegen wir uns im unteren einstelligen Bereich, doch es wächst und gedeiht, das Pflänzchen. Was macht Eco Design anders als die Übermacht der konventionellen Proudzenten- vom Billigstmode Marke Primark über H&M, Zara bis zu Esprit, Boss oder Tommy Hilfiger, etc etc....

Strick von Masi
Es ist die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards und das Interesse am Wohlergehen der ProduzentInnen. Viele Labels gründen eigene Manufakturen oder arbeiten eng mit Betrieben zusammen, sorgen vor Ort für bessere Bedingungen der ArbeiterInnen, schaffen Geräte an. Ich denke da etwa an Labels wie anzueglich aus Wien, die die Südamerika mit beeinträchtigen Frauen arbeitet.

Oder an FairyTale Fashion, die in Nepal mit dem produziert, was sie vor Ort auch bekommt. Die ihr Design auf die technischen und handwerklichen Möglichkeiten vor Ort ausrichtet und nicht umgekehrt. People Tree ist hier ebenfalls zu nennen. Zahlreiche Labels lassen in Indien nähen, in Europa ist Portugal( Schuhe, zum Beispiel von ekn footwear) zu nennen.

Kleinere Labels nähen noch selbst in ihren Werkstätten in Österreich und Deutschland. Ich denke an Katuni  oder das wunderbare Stricklabel Masi aus Linz. Oder man arbeitet nicht nach dem klassischen 2 Kollektionen pro Jahr-System sondern baut an einer ewigen Kollektion über Jahre, wie etwa Elsien Gringhuis.
Wenn es darum geht, sich Kleidung neu anzuschaffen, wäre es höchst sinnvoll, genau jene zu unterstützen, denn hier wird das Geld auch wirklich ordentlich verwendet und der Planet vor negativen Folgeschäden geschützt. 

Modelabels gibt es für jeden Anlass und jeden Geschmack, ich habe mittlerweile den Überblick verloren und freue mich schon, sie wiederzusehen bei der Berliner Modewoche im Juli. Einen guten Überblick verschaffen Messen wie die WearFair in Linz, diverse Plattformen wie Get changed und eine wachsende Anzahl an Modeblogs, die grüne Labels vorstellen. Mir fällt etwa Grossvrtig aus Berlin ein, Dariadaria stellt auch gerne Labels vor oder mygreenstyle. Shopping-Ratgeber gibt es zahlreiche, von Greenpeace über Get Changed bis zu WearFair Fashion Ratgebern, seht euch auf den Homepages um.


5. Eine Garderobe mit System

Dazu habe ich schon einige Artikel geschrieben. Wie bei vielem im Leben kommt man auch bei der eigenen Garderobe weiter, wenn man einen Plan hat. Wer seine Garderobe auf bewußt überlegte Grundpfeiler stellt, hat im weiteren Verlauf weniger Probleme, sich gut anzuziehen und seine Schätze ausreichend zu nutzen. Ich sage nur Farbkonzept und tatsächlicher Bedarf. Dass ein Konzept die eigene Gestaltungsfreiheit einschränken soll, ist eine Kritik von Modemagazinen und Industrie. Klar, die Industrie mag keine Leute mit Konzept, denn die denken nach beim Einkauf. Und greifen nicht zu jeder Verlockung, die sich aufdrängt. Kein Designer arbeitet übrigens einfach ins Blaue hinein, kein Buch lässt sich ohne Konzept schreiben, auch beim Kochen geht man nach bestimmten Regeln vor.


So, liebe Damen und Herren, ich wünsche, dass auch bei euch die Sonne scheint und ich denke mit Dankbarkeit an all die Menschen, die uns mit dem versorgen, was wir uns nicht selbermachen können.Ich werde mich jetzt in meine Secondhand-Laufschuhe werfen, die Secondhand-Sportjacke anziehen und mit dem Rad zum Geschäft fahren, mir ist das Dinkelmehl ausgegangen. Das, was ich danach backe, wird ein Artikel werden, weil es was einfaches  und gutes ist. Seid gedrückt, ihr Lieben.

Kommentare

Georg hat gesagt…
Sehr wichtiger und hilfreicher Artikel. Ich würde aber immer noch sagen, dass es viel zu wenig Fashion gibt, die fair und umweltfreundlich hergestellt wird.

PS: Einmal hast du glaube ich das n in Secondhandladen vergessen.
Fr.Jona&son hat gesagt…
Danke, ich hab es ausgebssert! Dass es zu wenig Fair Fashion gibt,hm....suchst du etwas Bestimmtes? Mittlerweile ist jede Stilrichtung in ökofair vorhanden. Aber du hast insgesamt natürlich recht- bei einem Marktanteil von vielleicht 3 Prozent am globalen Textilmarkt ist das eine extrem kleine Nische.
Wenn du nach bestimmter Kleidung suchst, lasse es mich wissen.
Liebe Grüße, Frau Jona&Son

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