Impulsnähen statt Impulskäufe

Unlängst habe ich ein Interview gegeben, die Plattform lizzynet hat mich zu Redesign und meinem Zugang dazu befragt.Vielen Dank! Das ganze Interview könnt ihr bei lizzynet lesen, ich bin so freie und kopiere mir etliche Textstücke heraus, für euch zum Reinschmökern. Anbei auch ein Foto von mir, das ich sehr mag.

Sonja Wöhrenschimmel-Wah


Was genau verstehen Sie unter ReDesign? Ist das eine Spielart von DIY? Was steckt dahinter?

Ich habe vor über 20 Jahren begonnen, aus alter Kleidung neue zu machen. Im Kunststudium habe ich diesen Prozess dann eher künstlerisch begonnen. Als ich nach meiner Designtätigkeit wieder zum kreativen Verarbeiten von getragener Kleidung gekommen bin, war mein Designanspruch viel höher ...


Ist das ein Modetrend?
Das müssen Sie sagen, ich habe bislang keinen Modetrend darin erkennen können, der über eine kleine Nische hinausreicht. Es gibt Labels, die sich ganz dem Redesign verschreiben, es gibt Bücher, man ist Teil der grünen Modeszene, die stetig wächst- doch tritt man aus der kleinen Szene hinaus und kommt zur Durchschnittsbevölkerung, wird das Neu-Designen von Kleidung eher mit "buntem Upcycling" und wildem Zusammenfügen von Kleidungsstücken verbunden, das einem gefällt oder nicht. Nische eben. Ich habe mein Buch schon 2011 zu planen begonnen und bin im Nachhinein froh, dass es erst 2016 herausgekommen ist. Denn heute ist die Aufmerksamkeit doch erheblich höher, als es damals gewesen wäre.

Wieviel Kleidungsstücke, schätzen Sie, wandern in einem durchschnittlichen Frauenleben in Deutschland kaum getragen in die Tonne? Und wieviel könnte durch ReDesign gerettet werden?
Wenn man bedenkt, dass wir in Deutschland und Österreich im Jahr über 10 Kilo Textilien pro Kopf wegwerfen, dann summiert sich das in einem Menschenleben doch erheblich. Nach meinen Erfahrungen bei der Kleiderschrank-Analyse gibt es doch bei vielen Menschen einen Gutteil an Kleidung, der gar nicht zu ihrer Person passt. 80 Prozent unserer Garderobe tragen wir selten bis nie, nur 20 Prozent regelmäßig.

Wieviel Stücke durch Redesign gerettet werden können, diese Frage ist schwer zu beantworten. Es liegt an den Gründen, warum Stücke Ladenhüter werden:

  • Wenn die Farbe nicht stimmt, der Schnitt aber schon, macht Färben oder das Gestalten mit Farbe Sinn.
  • Bei zu kleinen Stücken oder sperrigen Materialien stellt sich die Frage, ob man sie nicht lieber tauscht oder verschenkt.
  • Hat man einfach zu viele Stücke einer Art, dann ist es besser vorher auszuräumen und nur die Lieblingsstücke zu behalten, plus ein paar "redesign-würdige" Teile.
  • Passen weder die Form noch der Stoff, gibt man es besser weg.
  • Die idealen Stücke für Redesign sind Stücke, die eine schöne Stoffqualität haben. Und im Idealfall auch in Farben, die zum eigenen Farbtyp passen.

Wie sind Sie überhaupt darauf gekommen, alte Kleidung zu "redesignen"? Wer oder was hat Sie inspiriert?
Ich bin in den Siebzigern geboren und am Land aufgewachsen. Das Selbermachen und Wiederverwerten war da noch ganz normal. Ich habe schon als 6jährige mein erstes Projekt gestartet und wollte aus dem neuen Hauskleid meiner Mutter einen hübschen Rock für mich machen. Das endete damals in einer Strafe, sie hat das nicht verstanden ;-).
Weitergemacht habe ich dann mit 18, als ich begann, auf Flohmärkte zu gehen. Da habe ich Kleidung bewusst wegen des Stoffes gekauft, neue Stoffe konnte ich mir nicht leisten. Zum Abitur trug ich einen solchen Rock, wenn ich mich recht erinnere. Mir war damals schon wichtig, etwas zu tragen, was sonst niemand hatte, da war der ökologische Aspekt noch gar kein Thema.

Was ist Ihr tollstes ReDesign-Stück?
Das ist schwierig. Es gibt Stücke, die für meine Entwicklung wichtig waren. Mein erstes Kleid aus einer Hose, das war 1999, wo ich erstmals eine Ahnung vom Potenzial von Redesign bekommen habe. Aus meinem Buch fällt mir besonders ein weiß-beiges Kleid aus einer Hose und einem Hemd ein, das ich komplett pur gelassen habe. Und andererseits ein Oberteil, das ich ganz dramatisch mit schwarzer Farbe angestrichen habe.

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